Probe-Politiker

Lohbrügger Schülerin spricht im Hamburger Rathaus

Hamburg (sih). In Ausschüssen über brandaktuelle Themen diskutieren, gemeinsam Beschlüsse fassen und im Hamburger Rathaus vor Politikern und Journalisten frei sprechen - das machen normalerweise nur richtige Abgeordnete.

Letzte Woche sah das aber völlig anders aus, denn von Montag bis Freitag debattierten im Plenarsaal nicht etwa Parlamentarier, sondern Jugendliche. Im Rahmen des Planspiels "Jugend im Parlament" übernahmen 121 Schüler und Auszubildende aus ganz Hamburg die Arbeit der hanseatischen Bürgerschaft, von der das Rollenspiel organisiert wird. Mit dabei war auch Lisa Peter aus Lohbrügge. Für sie waren die Tage als Probe-Politikerin besonders spannend, da sie mit 15 Jahren mit Abstand eine der Jüngsten beim Planspiel war. "Viele waren um die 20 Jahre alt. Einige politische Themen waren neu für mich", berichtet Lisa. "So konnte ich aber auch viel lernen. Von "Inklusion" oder "Resolutionen" hatte ich noch nie gehört."

Wie sieht die Arbeit im Rathaus aber eigentlich so aus? Und was ist das tolle daran, in die Rolle eines Abgeordneten zu schlüpfen? "Zuerst haben wir ein Präsidium gewählt. In der aktuellen Stunde haben wir dann im Plenum über ein bestimmtes Thema diskutiert, wie über die Einführung einer Frauenquote", erklärt die Schülerin aus Lohbrügge. "Ganz besonders war für mich das Gefühl, wirklich etwas zu bewegen. Mit 15 Jahren darf ich schließlich noch nicht wählen." Die Arbeit der jungen Parlamentarier könnte tatsächlich etwas bewirken. So wurde gestern eine gemeinsame Resolution an die Präsidentin der Bürgerschaft, Carola Veit, übergeben. Die Konzepte der Jugendlichen werden anschließend in den Ausschüssen der Bürgerschaft diskutiert.

"Ich saß im Integrationsausschuss", erzählt Lisa. "Wir haben uns dafür stark gemacht, dass das Internetangebot für barrierefreies Fortbewegen in Hamburg für Menschen mit Behinderung aktualisiert wird."

Lisa hat die Woche im Rathaus jedenfalls so gut gefallen, dass sie sich schon als Betreuer für das nächste Jahr angemeldet hat. Eine Zukunft in der Politik kann sich die Lohbrüggerin aber trotzdem nicht vorstellen. "Anstatt zu Quatschen und zu Grübeln bin ich lieber direkt bei den Menschen und helfe vor Ort. Deswegen bin ich ja auch in Billwerder bei der freiwilligen Feuerwehr." Auf die Idee, bei dem politischen Planspiel mitzumachen, hatte sie nämlich erst der Vertreter des Jugendfeuerwehrwartes, Sönke Langeloh (32), gebracht. Dieser debattierte schon 1996 im Rathaus bei "Jugend im Parlament".