Lindenberg-Double

Wenn aus Sven ein zweiter Udo wird

Bergedorf/Billstedt. Tagsüber geht Sven Martensen einem ganz und gar bodenständigen Handwerker-Job nach. Viele Hausbesitzer, Mieter und Firmenmitarbeiter in Bergedorf kennen den 46-jährigen Malermeister, denn hier sitzen die meisten seiner Kunden.

Was nur wenige wissen: Sven Martensen führt ein spektakuläres Doppelleben. Wenn es Nacht wird, dann hüllt er sich manchmal in ein schwarzes Gewand und wird zum nölend-nuschelig singenden Udo-Lindenberg-Double.

Lange Zeit trat Martensen nur bei Familien- und Betriebsfeiern auf, dann auf Stadtfesten in Bergedorf und anderswo. Morgen hat seine Double-Karriere einen neuen Höhepunkt. Dann tritt er mit aktuellen Lindenberg-Songs im Rahmen des Billstedter BilleVue-Stadtfestes auf der Showbühne im Billstedt-Center auf. Beginn 18 Uhr.

"Das Ding muss richtig gut sitzen", hat sich der Udo-Imitator vorgenommen. "Wenn die Leute da auf den Stühlen tanzen, bekomme ich sicherlich bald noch mehr Anfragen von Einkaufszentren." Mit dem noch ziemlich neuen und eher getragenen Song "Ich mach mein Ding" will er starten, sich dann mit dem Oldtimer "Reeperbahn" und mit "Cello" langsam steigern, um dann zum Schluss - vielleicht als Zugabe - den "Sonderzug nach Pankow" zu bringen.

Tatsächlich ist der 46-Jährige ein guter Gitarrist, hatte jahrelang seine Rockband "Die Heizer" und spielt heute in der Band des ziemlich erfolgreichen Wolfgang-Petry-Doubles "Wolle P.". Die Rolle als Lindenberg gibt sich Martensen nach eigenen Worten aus Liebe, Lust und Leidenschaft: "Nicht nur wegen Kohle schlüpf' ich in Udos Sohle", ist sein Wahlspruch.

Schon sein Vater war Udo-Fan, Martensen ist mit der Musik aufgewachsen. Stimme und Gestik des mittlerweile 66-jährigen Panik-Rockers täuschend echt nachzumachen, übte er im Freundeskreis. Irgendwann, vor mehr als zehn Jahren, kam die Bitte, doch mal zum 30. Geburtstag einer Freundin den Überraschungs-Udo zu geben. "Das war ganz schön aufwendig damals", erinnert er sich. "Die Playback-CD kaufen, die Klamotten besorgen, drei Songs üben." Aber sein Auftritt war ein echter Knaller. Er wurde weiterempfohlen, bekam fortan hier und da Anfragen, es lief wie von selbst.

Die Jahre als Udo-Double haben Martensen aber auch nachdenklich werden lassen: "Als Udo bist du bei vielen Frauen mega-interessant, aber wenn sie dich dann als Maler sehen, bist du der Hanswurst. Das tut manchmal ziemlich weh."