Polizei

Die "neue" Wache ist schon 20 Jahre alt

Lohbrügge. Es gab etwas zu feiern an jenem milden Herbsttag vor 20 Jahren in Bergedorf. Der Innensenator höchstpersönlich war angereist, um dabei zu sein, auch viele andere Gäste.

Nach endloser Planungszeit, Bau-Stopps und einer Aufstockung des Gebäudes quasi in letzter Minute konnte nun endlich, am 21. September 1992, die nagelneue Zentralwache der Polizei am Ludwig-Rosenberg-Ring eingeweiht werden. Und Innensenator Werner Hackmann (SPD) würdigte die 9,6-Millionen-Mark-Investition mit den Worten: "Ich bin überzeugt, dass dieses Geld für die Sicherheit der Bürger Bergedorfs gut angelegt ist."

20 Jahre nach der Einweihung und dem Dienstbeginn am 16. September gelten diese Worte zwar immer noch. Das Polizeikommissariat (PK) 43 im Herzen des Bezirks Bergedorf ist jedoch immer weiter gewachsen und leidet nun schon wieder arg unter Platznot.

Dabei war der Neubau 1988 ursprünglich sogar nur zweistöckig geplant worden. Die Schutzpolizisten der beiden Bergedorfer Reviere - im heutigen Standesamt sowie in der heutigen Lola - sollten hier zusammengefasst werden. Zudem sollte die damals noch als eigenständiges Kommissariat arbeitende Kriminalpolizei hier Platz finden.

Kurz nach Baubeginn lief der Personalrat der Schutzpolizei jedoch Sturm gegen die Planungen: Die neue Wache sei "viel zu klein" für die etwa 150 Schutzpolizisten plus Kripo, mahnten sie. Die Voraussetzung für eine Aufstockung müsse geschaffen werden. Das war jedoch bautechnisch und finanziell problematisch. Erst nach jahrelangen politischen Debatten und Gedankenspielen über eine andere Unterbringung der Kripo wurde der Neubau dann doch um eine Etage aufgestockt. Bis heute hat hier unter dem Dach die Kripo ihren Sitz. 1999 wurde sie auch organisatorisch mit der Bergedorfer Schutzpolizei zusammengeführt. Damit entstand eines der größten Polizeikommissariate Hamburgs.

Mit der 2. Etage wurden damals jedoch rein statisch die Aufstockungsmöglichkeiten erschöpft - was 20 Jahre nach der Einweihung nun Probleme aufwirft. Die Wache ist räumlich längst an ihre Grenzen gekommen, hat heute knapp 220 Mitarbeiter in fünf statt vier Dienstgruppen. "Wir brauchen mehr Kapazitäten", bestätigt Ansgar Hagen. Der Polizeirat, Vize-Chef des Kommissariates, leitet die Wache seit Anfang des Jahres in Vertretung für PK-Leiter Bernd Krösser.

Für die Mitarbeiter fehlt es unter anderem an Büros und an Schrankräumen - selbst der Keller ist bereits für Umkleidezwecke belegt. Um Platz im Kommissariat zu schaffen, soll deshalb (wie berichtet) Mitte Oktober die Krad-Gruppe in den Polizeiposten am Zollenspieker ausgelagert werden. "Wir arbeiten intensiv an weiteren kostenneutralen Übergangslösungen", sagt Ansgar Hagen. Ein Anbau, für den es sogar schon fertige Pläne gab, ist technisch und finanziell nicht einfach zu realisieren. Vor allem aber ist derzeit noch ganz offen, wie genau die Zukunft der Bergedorfer Wache - und aller anderen Hamburger Polizeikommissariate - aussieht. Unter Leitung des abgeordneten Bergedorfer PK-Leiters Bernd Krösser wird derzeit in Hamburg das "Projekt Modernisierung der Polizei Hamburg 2012" (ProMod 2012) erarbeitet. Die gesamte Organisationsstruktur der Polizei wird genau betrachtet, eventuell neu angepasst.

"Möglich ist, dass die Kommissariate stärker sozialräumlich ausgerichtet werden", sagt Ansgar Hagen. Heißt: Die Kommissariate könnten sich dann an den Bezirksgrenzen orientieren. Das ist in Bergedorf zwar ohnehin schon der Fall - doch heißt das nicht, dass organisatorische Veränderungen sich nicht auch auf Bergedorf auswirken könnten. Ansgar Hagen mag jedenfalls keine vorschnellen Schlüsse ziehen. "Wir müssen warten, ob den Ideen und Vorschlägen des Projekts zugestimmt wird, und dann sehen, wie wir damit umgehen können."

So liegt die Erweiterungsfrage derzeit ebenso auf Eis wie eine Personalie: Ob oder wann der abgeordnete PK-Leiter Bernd Krösser wiederkehrt, ist derzeit noch offen.