Entwässerung

Im Stadtteil Süd mieft es wieder mächtig

Bergedorf. Die Menschen aus dem malerischen Gründerzeit-Stadtteil Bergedorf-Süd wollen nicht die Stinkstiefel des Bezirks sein. Aber genau deshalb reagieren sie geradezu allergisch, wenn es im Quartier wieder mufft.

So wie jetzt, wenn - wie berichtet - aus den frisch verlegten Sielen in Hassestraße und Rektor-Ritter-Straße schon der Mief quillt. Zu präsent sind noch die Erinnerungen an den Sommer 2011, als Starkregen mehrfach den Inhalt der Kanalisation samt unzähligen Grüßen aus den Toiletten des Großraums Bergedorf auf die Straßen schwappen ließ.

Speerspitze des Protests gegen die unsichtbare Nasenqual ist die Politik - und jetzt auch der Grundeigentümerverein. Der treibt bereits die Hamburger Stadtentwässerung (HSE) vor sich her, die die Siele tatsächlich seit einiger Zeit mit blauen Plastiksäcken notdürftig verschlossen hat: "Wir hatten gerade einen Ortstermin mit verantwortlichen Mitarbeitern. Aber der hat mehr Sorgen verbreitet, als Vertrauen gesät, dass der Gestank verschwindet", sagt Geschäftsführer Heinz Pilzweger.

Die Grundeigentümer rümpfen die Nase über die Ankündigung von HSE, den Duft mittels spezieller Bio-Filter unter den Gully-Deckeln absorbieren zu wollen. "Die planen ernsthaft, eine Art Holzschnitzel-Bakterien-Mixtur einzubauen", sagt Pilzweger. Die nehme nach Auffassung von Fachleuten im Kreis der Grundeigentümer aber nur die Hälfte der Faulgase auf und sei ein sehr anfälliger Geruchsfilter. "Gibt es lange keinen Regen, trocknet das Konstrukt aus und ist damit zerstört", fasst Pilzweger das Urteil der Grundeigentümer zusammen. "Dann tritt alles ungehindert aus, auch die für Allergiker gefährlichen Schimmelpilze."

HSE-Sprecher Ole Braukmann weist diese Argumente zurück: "Zu alldem gibt es von mir ein klares Nein. Die Bio-Filter haben wir bereits an vielen Stellen in der Stadt im Einsatz. Sie haben sich bewährt, weil sie eine äußerst gute Filterwirkung haben und dabei ausgesprochen wartungsarm sind." Das Filtermaterial halte nach dem Einbau mindestens drei Jahre und werde halbjährlich von Fachleuten der HSE auf seinen Zustand hin kontrolliert. "Trockenes Wetter tut der Filterleistung keinen Abbruch, weil die in der Sielatmosphäre enthaltene hohe Luftfeuchtigkeit für ausreichende Befeuchtung des Filtermaterials sorgt."

Auch den Verdacht der Gesundheitsgefährdung weist Ole Braukmann zurück: "Die geruchsintensiven Gase sind schwefelhaltige Verbindungen in sehr geringer Konzentration, die beim Austreten an die Oberfläche zusätzlich stark verdünnt werden." Das lasse zwar den Gestank nicht verfliegen, sei gesundheitlich aber völlig ungefährlich.

Doch auch den Gestank will die HSE den Menschen in Bergedorf-Süd nicht mehr länger zumuten. Braukmann kündigt an, dass der Einbau der Bio-Filter in die Siele jetzt beginnt: "Wo der Straßenbau abgeschlossen ist, kommen sofort die Filter. Das beginnt jetzt in der Hassestraße und wird sich kurzfristig in der Rektor-Ritter-Straße fortsetzen." Nur im Töpferhof und Neuem Weg müsse noch bis Ende 2013 abgewartet werden. "Wir können die Filter erst einbauen, wenn der Straßenbau abgeschlossen ist. Sonst würden sie sofort verstopfen", sagt Braukmann.

"Gibt es lange keinen Regen, trocknet der Bio-Filter aus und ist damit zerstört" Heinz Pilzweger, Geschäftsführer des Grundeigentümerverbands