Auszeichnung

Professor "Eiweiß-Detektiv" entschlüsselt alle Proteine

Bergedorf. Freitag wird der Körberpreis für die Europäische Wissenschaft bereits zum 28. Mal verliehen. Mit 750 000 Euro Preisgeld versehen, zählt er zu den höchstdotierten Wissenschaftspreisen Europas.

Die Auszeichnung des deutschen Physikers und Bioinformatikers Prof. Matthias Mann (52) erfolgt, wie seit Jahren, im großen Festsaal des Hamburger Rathauses. Am Abend zuvor ist der Leiter des Max-Plack-Instituts für Biochemie in Martinsried in Bergedorf zu Gast - eine Premiere: In der Villa des 1992 verstorbenen Industriellen und Stifters Kurt A. Körber bittet die Körber-Stiftung zum "Welcome-Dinner".

Die Tafel am Tag vor dem Festakt im Rathaus hat Tradition. "Dazu laden wir jedes Jahr, entweder bei uns in die Stiftung oder in Hamburger Hotels", erläutert Matthias Mayer von der Körber-Stiftung. Im 20. Todesjahr des Stifters besinnen sich die Verantwortlichen auf die Ursprünge. Sie laden in das Wohnhaus im Villengebiet, von dem aus der Industrielle und Erfinder, Mäzen und (An-)Stifter über Jahrzehnte gewirkt hat, in dem er Größen aus Wirtschaft und Wissenschaft, aus Politik und Kultur zum Gedankenaustausch empfing.

Im kleinen Kreis mit dem Preisträger, Hamburgs Wissenschaftssenatorin Dr. Dorothee Stapelfeld, Vertretern von Körber-Vorstand, Stiftungsrat und Auswahlkuratorium tafelt auch Ranga Yogeshwar: Der bekannte Wissenschaftsjournalist übernimmt es Freitag, Manns Forschungsergebnisse vor Hunderten Gästen im Hamburger Rathaus zu erläutern.

Unter seinen Kollegen gilt Mann als der "Eiweiß-Detektiv": Nach Studium in Göttingen und Yale (USA) konzentrierte sich Mann bereits als Doktorand auf die Proteinforschung. Gemeinsam mit seinem Doktorvater John Fenn entwickelte er ein Verfahren, um elektrisch aufgeladene Proteine mit einem Massenspektrometer zu vermessen.

Fenn erhielt 2002 dafür den Chemie-Nobelpreis. Den Forschern um Professor Mann gelang es in den folgenden Jahren, die hochpräzisen Messverfahren auch für Biologie und medizinische Forschung nutzbar zu machen. "Hunderte Forscherteams arbeiten inzwischen weltweit damit", erläutert Mann.

2008 überraschte sein Team mit der Nachricht, sämtliche gut 4000 Proteine, das Proteom einer Hefe-Zelle, entschlüsselt zu haben. Ein Erfolg, der von Experten als mindestens ebenso bedeutsam eingestuft wird wie die Erforschung des gesamten in einer Zelle gespeicherten Erbguts: Die etwa 20 000 Gene einer menschlichen Zelle liefern die "Baupläne" für mehr als 100 000 Proteine. Noch bedeutsamer als die Zahlen ist die Wandelbarkeit: Während Erbinformationen im Wesentlichen erhalten bleiben, verändern sich Proteine.

Wem es gelingt, diese Veränderungen zu bestimmen und nachzuvollziehen, hat einen Schlüssel in der Hand, um den Ausbruch vieler Krankheiten erklären und in einem weiteren Schritt auch verhindern zu können. Möglich scheinen tief greifende Fortschritte im Kampf gegen Krebs und Diabetes.

Für seine bahnbrechenden Forschungen ist Mann bereits vielfach ausgezeichnet worden, so in diesem Jahr mit dem bekannten Leibniz-Preis. Das Geld aus dem Körber-Preis will der Professor in weitere Forschungen investieren.

"Forscherteams arbeiten inzwischen weltweit damit."

Prof. Matthias Mann, Träger des Körberpreises 2012