Reetwerder

Ein Saboteur treibt hier sein Unwesen

Bergedorf. Ein offenbar nicht ganz zurechnungsfähiger, aber hochgefährlicher Straftäter treibt derzeit in der Innenstadt sein Unwesen.

In der Straße Reetwerder wurden nach Informationen unserer Zeitung in den vergangenen Wochen mehrfach geparkte Autos und Krafträder mutwillig beschädigt und mitunter heimtückisch sabotiert: Scheibenwischer abgeknickt, Radmuttern gelöst, Bremsschläuche zerschnitten.

"Bei meinem Audi wurde dreimal der Scheibenwischer derartig verbogen, dass ich den kompletten Arm austauschen lassen musste", sagt Miriam Hasse*, die seit mehreren Jahren im Reetwerder wohnt. "Das hat mich jedes Mal 100 Euro gekostet." Von einer Nachbarin hat die 34-jährige Versicherungskauffrau gehört, dass deren Radmuttern - ebenfalls im Reetwerder - gelöst worden waren. Weil das Auto sich eigentümlich lenkte, bemerkte die aufmerksame Autofahrerin - gottlob - die Attacke rechtzeitig. "Ich habe den Eindruck, dass der Täter es auf Autos von Frauen abgesehen hat", beschreibt Miriam Hasse. Sie weiß von einem weiteren Fall im Innenhof des benachbarten Amtsgerichts, wo ebenfalls das Auto einer Frau beschädigt worden sein soll.

Schon mehrfach hat die Audi-Fahrerin beim Bergedorfer Polizeikommissariat 43 Anzeige erstattet. "Da es sich auch laut Polizei um keinen Einzelfall handelt, sollten wir alle aber wachsam sein", fordert sie. "Denn was dieser Verbrecher da macht, ist für die Opfer lebensgefährlich." Gestern verteilte Miriam Hasse in den Briefkästen und an Fahrzeugen am Reetwerder Flugblätter mit Warnhinweisen, wandte sich zudem an die Redaktion unserer Zeitung ( redaktion@bergedorfer-zeitung.de ).

Einen 17-jährigen Motorrad-Fahrschüler der Fahrschule Peemöller - ebenfalls im Reetwerder - hätte es am Sonnabend beinahe erwischt. "Am Freitagabend liefen alle Motorräder noch einwandfrei", schildert Fahrlehrer Ralf Otremba. Am nächsten Morgen zur Fahrstunde sprang erst das eine und dann ein zweites nicht an. "Kein Zündfunken, nichts", wunderte sich Otremba, untersuchte die Zweiräder genauer - und stellte fest, dass an beiden Maschinen mehrere Kabel durchtrennt, die Zündung lahmgelegt war. Besonders fatal: Ein drittes Motorrad sprang anstandslos an. "Der Schüler wollte schon losfahren, aber ich war von den Beschädigungen so genervt, dass ich die Stunde habe ausfallen lassen. Ein wütender Fahrlehrer ist kein guter Fahrlehrer." Welch ein Glück: Wenig später stellte Otremba nämlich fest, dass an der scheinbar intakten Maschine ein Bremsschlauch zerschnitten war. Die Bremse funktionierte nicht. Die Fahrstunde hätte tödlich einen können.

Auch Fahrlehrer Otremba zeigte die Straftaten beim Bergedorfer Polizeikommissariat an. "Dort habe ich erfahren, dass in letzter Zeit auch eine ganze Reihe parkender Polizeifahrzeuge beschädigt wurde", erzählt der Fahrlehrer. Ob es sich dabei um denselben Täter wie im Reetwerder handeln könnte, dazu gab es bis gestern von der Polizei keine Stellungnahme. "Wir ermitteln", erklärt Kripochef Axel Podlech knapp.

"Wer etwas Verdächtiges beobachtet oder sogar selbst von einer solchen Straftat betroffen ist, sollte umgehend das Polizeikommissariat 43 informieren", fordert Miriam Hasse aus dem Reetwerder auf.

*Name geändert