Bauarbeiten

Das Ende der "Körber-Villa"

Bergedorf. Seit die Kreuzung Sander Damm / Kurt-A.-Körber-Chaussee Mitte der 1990er-Jahre entstand, wurde sie von der markanten Villa mit dem Emblem der Körber AG geprägt.

Doch seit dem Wochenende suchen die Augen der 32 000 auf dem Sander Damm täglich vorbeifahrenden Autofahrer den 100 Jahre alten Backsteinbau vergeblich. Die Abrissbagger, die seit Wochen hinter der Villa schon Platz für den neuen Obi-Baumarkt schaffen, haben die "Körber-Villa" erreicht.

Wer angesichts der langen Schonzeit hoffte, der Denkmalschutz hätte die neuen Eigentümer zum Erhalt gezwungen, sieht sich getäuscht. Denn ausgerechnet dieses Haus stand nie unter Schutz. "Die Mitarbeiter des Denkmalschutzamtes sind einfach nie hier vorbeigegangen", urteilt Dr. Geerd Dahms, Sachverständiger für historische Bausubstanz, beim Blick auf die Geschichte des Geländes. Denn die Villa und das bereits abgerissene Bürogebäude nebenan sowie die ebenfalls verschwundene Fabrikhalle mit markantem Runddach waren letzte Zeugen der Fabrik Deutsche Kap-Asbest. Sie produzierte hier von 1901 bis zum Ende der 1970er-Jahre.

Nach ihrem Ende kaufte die Körber AG das Areal und siedelte hier ihre Verpackungs-Firma Topak an. Seit deren Schließung vor knapp zehn Jahren war das Areal verwaist, wurde als Ansiedlungsfläche für einen Baumarkt gehandelt. Zunächst wollte Max Bahr hierher umziehen und erweitern. Als sich diese Pläne wegen des Verkaufs der Kette an Praktiker zerschlugen, trat Obi auf den Plan.

Die Frage, ob Bergedorf neben Max Bahr und Bauhaus wirklich noch einen dritten Baumarkt braucht, wurde 2009 von einem Einzelhandelsgutachten zerstreut. Kernthese: "Mehr Verkaufsfläche zieht auch mehr Kunden" - Bergedorf könne auch die künftig gut 30 000 Quadratmeter voller Angebote für Hobbyhandwerker und Gartenfreunde gut verkraften.

Also gab es grünes Licht für Obi, auch wenn die Kette kaum zehn Kilometer entfernt in Glinde längst ansässig ist. Auf der alten Kap-Asbest-Fläche wird nun im Frühjahr 2013 ein neuer Obi mit 8400 Quadratmeter Verkaufsfläche und 200 Parkplätzen eröffnen. Er lockt nach Berechnungen von Verkehrsexperten 2000 zusätzliche Fahrzeuge täglich auf die heute schon überlastete Kreuzung Sander Damm / Kurt-A.-Körber-Chaussee.

Den nach Meinung der Bergedorfer Politik fälligen Ausbau des Knotens für etwa eine Million Euro lehnt Hamburgs Verkehrsbehörde aber ab. Begründung: Die 2000 Autos zusätzlich würden die Staus nicht wesentlich verlängern.