Technikärger

Schlechte Luft - Dauerärger im CCB

Bergedorf. Diese Klimaanlage bringt alle ins Schwitzen: Seit Öffnung des Einkaufszentrums CCB vor knapp zwei Jahren sind Techniker ständig dabei, die Technik richtig einzustellen. Bisher selten mit Erfolg, wie die Mitarbeiter der Geschäfte des Neubaus ebenso wissen wie Beamte des Bezirksamts in den beiden Etagen über den Läden.

"Egal ob Sommer oder Winter, hier steigt das Thermometer regelmäßig auf über 25 Grad", ärgert sich Karla Schmidt vom Team der Buchhandlung Heymann, die die Temperatur regelmäßig misst. Kollegin Susanne Meyer-Christen, Leiterin der Parfümerie Jebe, bestätigt das: "Wir arbeiten das ganze Jahr über in leichter Sommerkleidung."

Während sich die Geschäfte noch mit stetigem Lüften und regelmäßigen Anrufen bei der Haustechnik zu behelfen versuchen, reicht das dem Bezirksamt jetzt nicht mehr. "Unsere Leute fühlen sich unwohl. Es gab mindestens eine Kündigung, die mit der Raumluft begründet wurde", sagt Verwaltungsdezernent Klaus Wolters. "Noch immer klagen sie über die schlechte Raumluft, die ihnen gerötete Augen, trockene Nasen- und Mundschleimhäute bereitet."

Die Problematik sei flächendeckend auf allen 7000 Quadratmetern beider Büro-Etagen. Ingenieure des Instituts für Arbeitsschutz, die im Auftrag der Landesunfallkasse gemessen haben, kommen zum Schluss: Die Belüftungsanlage funktioniert nicht optimal und ist offenbar nicht individuell steuerbar.

Es geht um Temperatur, Luftgeschwindigkeit und Feuchtigkeit: "Die Luftfeuchte liegt nur bei 20 Prozent, vereinzelt sogar bei zehn Prozent. Manche Mitarbeiter laufen schon mit Sprühflaschen durch die Räume", sagt Wolters, der extra teure "Turbo-Pflanzen" kaufen ließ - "einschließlich Ventilatoren, die Wasser ansaugen und über die Hydro-Steinchen verteilen". Nicht nur das: Im Winterhalbjahr spendiert das Rathaus für knapp 6000 Euro Mineralwasser für alle - dafür gibt es ein Lob vom Betriebsarzt.

Und es zieht mächtig: In einigen Räumen ist die Luftgeschwindigkeit zu hoch, die Lüftung zu laut - andere Kollegen klagen indes über zu wenig Frischluft: In ihren Büros stinkt es also. "Im September wird in Anwesenheit eines Fundus-Technikers erneut die Lüftungsgeschwindigkeit gemessen", vereinbarte Erwin Schrempf, im Rathaus praktischerweise nicht nur für den internen Service, sondern auch für den Katastrophenschutz zuständig - und extra keine herkömmliche Klimaanlage haben wollte, um dem Risiko von Keimen zu entgehen.

Nicht zuletzt variiert im Dienstleistungszentrum auch die Temperatur unerwünscht - manch einer bibbert: "Wird Frischluft zugeführt, wird das als kalte Zugluft empfunden, klagen die Mitarbeiter über Nackenschmerzen. Und weil es keine individuell steuerbaren Heizungen gibt, setzen manche Radiatoren ein, wenn es ihnen zu kühl wird", weiß Wolters, der sogar abgeklebte Lüftungsgitter gesehen hat.

Anderen Mitarbeitern wiederum ist es zu warm: Nachts sei es wärmer als zu Dienstbeginn mit normalen 20 Grad. Nachmittags steige die Temperatur in manchen Büros auf sogar über 26 Grad, könne nur bei geöffneten Türen gearbeitet werden. Ein Blick in den Vertrag besagt: "Wir haben vereinbart, dass bei einer Außentemperatur über 32 Grad die innenliegenden, also ins Center blickenden Räume um sechs Grad heruntergekühlt werden", so Wolters, der jetzt den Vermieter erneut auffordert, diese Norm einzuhalten.

Die Hansestadt will jetzt Bauherr Fundus auf den Zahn fühlen. Denn es gilt, die Belüftungsanlage genau zu studieren: "Es gibt je einen Strang an der Nord- und Südseite, die hängen an einer Zentraleinheit. Mehr wissen wir nicht über die Konstruktion der Anlage. Wir wissen nicht mal, ob überhaupt eine Entfeuchtung eingebaut ist", sagt Wolters, der vorher keine rechtlichen Möglichkeiten einschätzen kann. Sollte die Anlage aber insgesamt zu klein ausgelegt sei, "muss so schnell wie möglich nachgebessert werden".

Für Helmut Jagdfeld, Geschäftsführer des CCB-Betreibers Fundus, ist die Problematik von Bezirk und Geschäften nicht nachvollziehbar: "Unsere Messtechnik belegt, dass wir in alle Bereiche aktuell 18 Grad kühle Luft einspeisen."

"Wir hoffen auf einen milden Winter."

Verwaltungsdezernent Klaus Wolters