Haspa-Studie

Günstige Mieten und gute Schulen als Standortfaktoren

Wie teuer sind die Mieten? Wo ist die nächste Kita? Wie gut ist die Schule in der Nachbarschaft? Die Familienfreundlichkeit einer Stadt ist ein wichtiger Standortfaktor, wenn es darum geht, qualifizierte Arbeitnehmer anzulocken. Eine neue Studie des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) im Auftrag der Hamburger Sparkasse zeigt nun: Hamburg ist zwar in vielen Bereichen der Familienfreundlichkeit noch nicht an der Spitze, doch es holt auf. Insbesondere die Ränder der Großstadt, Bezirke wie Bergedorf, können durch ihre familienfreundlichen Strukturen profitieren.

Die Studie (Titel: "L(i)ebenswertes Hamburg - Familienfreundlichkeit als Erfolgsfaktor für den Wirtschaftsstandort Hamburg") ist eine umfangreiche Bestandsaufnahme. Dr. Silvia Stiller und Dörte Nitt-Drießelmann vom HWWI stellen fest, dass Hamburg im Vergleich zu den fünf anderen großen Städten Berlin, München, Köln, Frankfurt und Stuttgart bei der Zuwanderung nur an Platz drei steht. Bei der für Familien relevanten Altersgruppe von 30 bis 49 Jahre ist die Differenz der Zuzüge und Wegzüge recht gering. In den jüngeren Altersgruppen ziehen hingegen deutlich mehr nach Hamburg hinein als von hier weg. Woran also liegt es, dass die Zahl der hier lebenden Familien nur langsam wächst?

Im Kampf um die größte Attraktivität als Arbeits- und Wohnort und damit auch als Wirtschaftsstandort mischen viele Städte mit. Hamburg muss sich zudem mit seinem ländlichen Umland messen, in dem etwa die Bildungsangebote als besser gelten. Hamburgs Achillesferse: Trotz vieler Anstrengungen gibt es noch immer Handlungsbedarf im Bereich von Bildung und Kinderbetreuung, wie die Studie zeigt. So fehlt es beispielsweise an Ganztagsbetreuungsangeboten für 3- bis 6-Jährige. Hier schaffte es Hamburg nur auf 36,8 Prozent betreute Kinder in 2011 - trotz Steigerung eine deutlich niedrigere Rate als etwa in Köln (68,1 Prozent). Auch beim schulischen Lernen ist Hamburg Schlusslicht. Doch vermerkt die Studie positiv die Anstrengungen im Bildungsbereich: etwa der geplante flächendeckende Ganztagsunterricht an den Grundschulen. Auch habe Hamburg eine hohe Zahl an Abiturienten und immer weniger junge Arbeitslose.

Bildung ist aber nicht der einzige Faktor, der eine Stadt für Familien attraktiv macht. Und so kann Hamburg in anderen Bereichen punkten: Mit seinen vielen Grün- und Erholungsflächen etwa oder den - im Vergleich zu anderen Großstädten - noch vergleichsweise niedrigen Mieten und Eigenheimpreisen.

Der Bezirk Bergedorf kann hier gut mithalten. Wohl auch deshalb ist etwa der Stadtteil Neuallermöhe "Familienstadt Nummer eins", wie Dr. Silvia Stiller feststellt. Allerdings beschert Familienfreundlichkeit allein noch keinen Boom an Neubürgern: "Das hängt noch von ganz vielen anderen Faktoren ab."