Livemusik

Außergewöhnliche Konzerte - 10 Jahre Club am Donnerstag

Bergedorf. "Wer Geburtstag hat, darf auch mal richtig feiern", lacht Ludger Skibowski. Und vom Feiern hat der 52-jährige Bergedorfer wahrlich Ahnung.

Seit zehn Jahren organisiert der Musikbesessene regelmäßig Live-Konzerte auf lokalen Bühnen - fast jeden Donnerstag. 400 Clubkonzerte mögen es in all den Jahren gewesen sein. Mittlerweile ist sein "Club am Donnerstag" schon weit über Bergedorf hinaus bekannt, eine immer größer werdende Fangemeinde pilgert an den Donnerstagen abends in das "Happy Billard" an der Kurt-A.-Körber-Chaussee oder im Sommer in den Schlosshof. Dort soll morgen auch die große Geburtstagsfeier steigen: Das "Festival No. 1" - erstmals einen ganzen Tag lang Live-Musik, acht Bands im Line-up (Programm siehe Kasten rechts) anlässlich der "Bergedorf-Beer-Tage".

Als "Der Ludger", wie ihn seine mittlerweile 30 Mitstreiter kumpelhaft nennen, 2002 mit dem "Club am Donnerstag" begann, hatte er selbst nicht an den dauerhaften Erfolg der Idee geglaubt. Dabei sei die Sache ganz einfach: "Wir holen gute Musik nach Bergedorf", schießt die Antwort wie aus der Pistole, als wir ihn nach dem Erfolgsgeheimnis seiner Konzertreihe fragen. Aber was ist gute Musik? "Gute Frage - darauf gibt es keine Antwort", gesteht der erfahrene Konzertveranstalter. Denn gute Musik hat für ihn viele Komponenten: "Gute Live-Musik ist handgemacht und kommt nicht vom Computer. Ansonsten ist gut, was dem Publikum gefällt." Und da vertraut das Publikum offenbar blind Skibowskis Spürnase.

Das Spektrum der Donnerstags-Konzerte ist breit: Es gibt Blues, Rock und Folk in allen Facetten, auch mal Punk oder Hip Hop. "Viele unserer Stammgäste informieren sich vorher gar nicht über die Gigs", weiß er und findet das auch nicht schlimm: "Die Leute lassen sich gerne überraschen und sind meist auch positiv überrascht." Denn Ludger Skibowski macht keine Kompromisse, wenn es um die Qualität der Musiker geht. "Wer bei uns auf die Bühne will, muss live überzeugen." Wenn Bewerber oder Agenturen ihm Hochglanz-Promo-Mappen oder Studio-CDs schicken, ist er häufig skeptisch. Lieber klickt sich der hauptberufliche Psychologe dann bei Youtube durch die Konzertmitschnitte. "Keine Musikvideos", betont er. "Es gibt mir den besten Eindruck, wenn einfach mit einer Humpelkamera drauf gehalten wird - ungeschnitten und ehrlich."

Böse Überraschungen, wie er sie aus den Erzählungen anderer Konzertveranstalter zuhauf kennt, hat Skibowski noch nicht erlebt. "Es hat noch nie eine Absage oder arrogante Künstler gegeben." Dabei holt der "Club am Donnerstag" durchaus bekannte Singer/Songwriter und Bands nach Bergedorf, die andernorts auf großen Festivals vor Tausenden spielen und riesige Hallen füllen. Wie etwa das Folk-Duo "Madison Violet" aus Kanada, die Roots-Musikerin "Toby" aus Australien oder "Elizabeth Lee's Cozmic Mojo" aus Italien kommen viele Bands aus dem Ausland. "Gerne fördere ich auch lokale Newcomer", betont Skibowski. Die englischsprachigen Musiker seien aber aktiver im Planen von Tour-Auftritten: "Die tingeln viel lieber."

Dabei müssen selbst internationale Stars in Bergedorf Kompromisse machen. "Unser Budget für die Gagen oder Unterbringung ist sehr beschränkt". Denn besonders wichtig ist ihm, dass die wöchentlichen Konzerte für Jedermann bezahlbar bleiben. Der Eintritt variiert je nach Location zwischen sieben und zwölf Euro. Um Kosten zu sparen, bringt Skibowski seine Musiker gern auch privat unter. Viele Gruppen schlafen ganz pragmatisch in seiner Praxis auf der ausklappbaren Psychologen-Couch. "Dadurch entsteht eine persönliche Bindung und wir haben auch nach dem Konzertbesuch noch Kontakt." Diese familiäre Atmosphäre überträgt sich auf die Auftritte. Und so wird der Slogan der Veranstaltungsreihe zum Programm: "Außergewöhnliche Konzerte!"

Schnell wurde die Organisation der Konzertreihe für Skibowski aber auch zu einer außergewöhnlichen Belastung. Inzwischen helfen ihm ein Dutzend Freiwillige beim Abmischen der Konzerte, der Pressearbeit oder der Gestaltung der informativen Homepage. "Immer mehr Leute haben sich infiziert", lacht Initiator Skibowski: "Der Bazillus Live-Musik hat sich in Bergedorf schnell verbreitet." Mit jedem Aufrittsort kamen auch weitere Fans hinzu. Begonnen hat alles als eine Art "After-Work-Club" im Jazzclub im Suhrhof, dann fanden die Konzerte im "Belami", im Gewerkschaftshaus oder der "Lola" statt. Inzwischen hat der Club im "Happy Billard" und dem Schlosshof seine Heimat gefunden.

Seit Anfang des Jahres gibt es auch einen eingetragenen Förderverein mit inzwischen mehr als 30 Mitgliedern. "Wir haben mittlerweile jeden Donnerstag rund 100 Konzertbesucher, das kann man nicht als Einzelkämpfer managen." Und mit der musikbegeisterten Gemeinschaft entstehen auch jede Menge neue Ideen. "Das Festival im Schloss ist so ein Projekt, das wir einmal ausprobieren wollen." Der Name "Festival No. 1" zeigt schon, dass die Organisatoren optimistisch in die Zukunft blicken.

Begehrlichkeiten aus anderen Gemeinden und Stadtteilen lehnt Skibowski aber strikt ab. Regelmäßig bietet man ihm attraktive Konzert-Locations andernorts an. Der "Club am Donnerstag" gehört aber fest nach Bergedorf. "In erster Linie geht es uns um die Liebe zur Musik", betont er: "Doch wir wollen auch eine nachhaltige Kulturarbeit für unser Bergedorf leisten."

"Unser Erfolgsgeheimnis ist ganz simpel: Wir bringen einfach gute Live-Musik nach Bergedorf."

Ludger Skibowski (52) Initiator der Konzertreihe "Club am Donnerstag"