Arbeitsmarkt

"Der Trend ist nicht mehr superpositiv"

Bergedorf (stri). Bergedorf hinkt weiter hinterher: Während in ganz Hamburg die Arbeitslosenquote im Juli bei 7,6 Prozent liegt, ist der Bezirk bei 8,1 Prozent gelandet - derzeit sind 5386 Bergedorfer arbeitslos gemeldet.

Dass zugleich weniger freie Stellen gelistet wurden (im Moment sind es 610), sei der Ferienzeit geschuldet: "Durch die frühen Schulferien hatten wir eine richtige Delle, weil manche Betriebe auch komplett geschlossen sind in dieser Zeit", berichtet Ulf Fock. Der Chef der Agentur für Arbeit an der Johann-Meyer-Straße hofft auf verstärkte Bedarfe nach dem Sommer.

Während es für Hamburg insgesamt noch heißt, die Erwerbstätigkeit sei sicherer geworden, kleine und mittelständische Unternehmen würden an langjährigen Mitarbeitern festhalten, musste Bergedorf im Juli einen Zugang an Arbeitslosen um 1556 Personen verkraften - betroffen waren hier vor allem junge Leute: "Viele Betriebe haben ihre Auszubildenden nicht übernommen, sind angesichts der Auftragslage vorsichtiger geworden", meint Fock, der von einem rückläufigen Optimismus spricht und ahnt: "Der Trend ist nicht mehr superpositiv."

Und das sieht - mit Ausnahme des Bergedorfer Handwerks - vielerorts so aus: "Von dem neuen Obi-Baumarkt an der Kurt-A.-Körber-Chaussee erwarte ich keine großen Impulse, dort wird es nicht viele Vollzeitstellen geben", sagt Fock. Dass Zeitarbeit ein Sprungbrett in den ersten Arbeitsmarkt sein könnte, ist längst eine Mär - der sogenannte Klebe-Effekt sei meist gering, urteilt der Chef der Arbeitsagentur.

Dennoch: Im Vorjahresmonat, also im Juli 2011, waren es 346 Bergedorfer mehr, die Arbeit suchten und in den Branchen untergekommen sind, die immer noch suchen: Da werden im Lager Gabelstaplerfahrer mit Englischkenntnissen gesucht, auch Speditionskaufleute sind rar. Der Einzelhandel sucht nach wie vor Verkäuferinnen, auch eine "Kosmetikerin mit Examen" hätte derzeit gute Chancen. Köche sind ebenso stark gefragt wie Software-Entwickler, Krankenschwestern und Ergotherapeuten.

Nicht zuletzt gibt es noch freie Ausbildungsstellen, hamburgweit sind es 3358 (davon 1000 im Handwerk). In Bergedorf werden noch künftige Lehrlinge gesucht, die als Banker oder Kaufleute im Groß- und Außenhandel arbeiten wollen. Auch angehende Kaufleute für Logistik und Spedition könnten sofort loslegen, sollten sich also zügig bei der Arbeitsagentur melden.