Warnung

Internet-Abzocke wird immer dreister

Bergedorf. Sie nennen sich Branchenbuch Deutschland, Gewerbeseiten oder, fast amtlich klingend, Gewerbeauskunft-Zentrale (GWE-Wirtschaftsinformations GmbH). Der Trick ist ähnlich:

Wer auf ein Schreiben oder Fax Namen und Adresse seines Handwerksbetriebs oder Geschäfts bestätigt, schließt damit einen "Vertrag" über einen häufig sinnlosen Eintrag in obskuren Branchenverzeichnissen oder Online-Auftritten. Wenn noch ausländische Inkasso-Unternehmen mit dem Eintreiben teils unberechtigter, vor allem überteuerter Rechnungen betraut werden, wird es für die Opfer schwierig.

Zuerst kam eine Rechnung über 960 Euro für einen Eintrag in www.diegewerbeseiten .com . Einen Monat später flatterte dem Awo-Projekt "Vertrauen im Alter" eine Mahnung über 975 Euro ins Haus. "Für unser Projekt mit Ehrenamtlichen buchen wir bestimmt keinen überteuerten Eintrag im Internet - der nutzt nur der Firma, die kassiert", sagt Fritz Manke, Vorsitzender der Awo Bergedorf.

Keine Antwort haben die Bergedorfer bislang auf ein Schreiben enthalten, mit dem sie den Rechnungssteller, die "Astoria Finance" in London, aufgefordert haben, ein Dokument zu übermitteln, "aus dem die rechtsgültige Bestellung einer kostenpflichtigen Leistung hervorgeht".

"Vielleicht ist das Schreiben ja noch zwischen London und Istanbul unterwegs, da sitzt ja angeblich der Leistungserbringer (Intermedia AG Ltd.)", schmunzelt Manke.

Die Firmen haben ihr Geschäftsfeld erweitert, nehmen Wohlfahrtsorganisationen ins Visier. Der Awo-Landesverband Hamburg sah sich im Juli zu zwei Rundmails an alle Gliederungen veranlasst, um sie vor Branchenbuch Deutschland und der Gewerbeauskunft-Zentrale zu warnen. "Nicht antworten" und "nichts unterschreiben", rät Stefanie Schnoor. 1979 Euro will etwa eine Firma für einen Internet-Eintrag kassieren.

"Nicht auszuschließen, dass dies der Beginn einer neuen Welle ist", sagt Hauptkommissar Michael Lange, Bergedorfs Vize-Kripochef. Wer umgehend Anzeige erstatte, helfe der Polizei, Entwicklungen zu erkennen und rasch zu reagieren.

Otto Kiehl vom Geschäftsbereich Recht und Fairplay der Handelskammer Hamburg berät regelmäßig Firmen im Kampf gegen Abzocker, "im Schnitt alle zwei Tage". Mit Hilfe des "Deutschen Schutzverbands gegen Wirtschaftskriminalität" verfolgt er ein dreistufiges Verfahren. "Zuerst versuchen wir den Vorgang zivilrechtlich zu klären, zu verhindern, dass Zahlungen geleistet werden." Dann folge eine wettbewerbsrechtliche Analyse und erst zum Schluss die Strafanzeige.

"Wir lassen uns doch nicht für dumm verkaufen."

Fritz Manke, Awo-Vorsitzender