Thema der Kirche

Beherzt und gelassen

Im Urlaub las ich eine beeindruckende Geschichte: Eine Pilotenschülerin war in einer Cessna 150 unterwegs. Zum dritten Mal erst ohne Fluglehrer. Ein Manöver in 1700 Meter Höhe ging daneben.

Das kleine Flugzeug begann, wild Richtung Erde zu trudeln. Sie drückte, drehte und zog an allen Knöpfen und Hebeln. Nichts half. Von Sekunde zu Sekunde wuchs ihre Angst. Panik packte sie. Da hörte sie in Gedanken ihren Fluglehrer: "Diese Maschinen können ganz allein fliegen. Am besten machen Sie nichts, wenn sie ins Trudeln geraten!" Sie lehnte sich zurück und - die Cessna stabilisierte sich und sie zog wieder ruhig ihre Flugbahn.

Das ist eine Geschichte für Eltern, für Erzieherinnen und Jugendleiter, für Vorgesetzte und Direktorinnen. Und für Pastorinnen und Pastoren: Diese Maschine konnte ganz allein fliegen. . . Diese Kinder. . . Diese Eltern. . . Diese Freunde. . . Dieses Team. . . Wie viel Druck und Stress erleben und erleiden wir, weil wir denken: Ohne uns geht's nicht! Dabei geht es oft sehr gut ohne uns. Häufig sogar besser. Wir haben Druck - und wir verursachen ihn. Steckt nicht hinter manchem Engagement oft der pure Unglaube? Der eitle Gedanke, wir wüssten am besten, was gut ist für uns und für die anderen? Das stolze Gefühl: Was wir nicht in die Hand nehmen, das wird auch nichts? Das Ergebnis sind häufig Verbitterung und Verbissenheit, Bluthochdruck und Magengeschwüre.

Wer gelassen sein will, muss loslassen. Sich selbst und die Welt und die Menschen Gott überlassen. Beten. Glauben. Ihm alles zutrauen. Und sich von ihm zeigen lassen, wo es gilt beherzt zuzupacken. Beherzt und - gelassen. Das ist eine gute Devise, wenn nach dem Urlaub die Arbeit wieder beginnt. Mit herzlichem Gruß von einem, der die Arbeit gerade wieder aufgenommen hat.