Tiermedizin

In dieser Praxis sind viele Patienten haarig und giftig

Bergedorf. Seine Klienten kommen von der Ostsee und aus der Südheide zu ihm, auch in Fulda und in Portugal leben Menschen mit Tieren, die Dr. Volker-Robert Gerlitzki (50) kennt. Der Bergedorfer Tierarzt ist für viele Halter von Schlangen und tropischen Spinnen, von Echsen, Geckos und Amphibien die erste Adresse, wenn ihre Tiere ärztliche Versorgung benötigen.

Diese Exoten machen etwa ein Viertel seiner Patienten aus, neben Hund, Katze, Maus, neben Hamstern und Vögeln.

Kurz nach dem Umzug an die Wentorfer Straße 15 herrscht bereits wieder tierisches Treiben im Wartezimmer und den beiden neuen Behandlungsräumen. "Ich folge den öffentlichen Dienststellen. Nachdem ich am Sichter meine erste Bergedorfer Praxis hatte, bin ich dann in den Pavillon der vormaligen Mütterberatungsstelle an der Lamprechtstraße gezogen. Und jetzt in die früheren Räume der Ausländerbehörde", sagt Gerlitzki, während er ein deutlich gemustertes Leoparden-Gecko in Augenschein nimmt.

Drei Tiere, jeweils in Einzelboxen, hat Samantha Bluhm mitgebracht, weil sie ihr schlapp vorkamen. Zwei der drei wirken weniger agil als das dritte Gecko, das nach dem Öffnen des Transportbehälters sofort einen Ausbruchsversuch startet. Samantha Bluhm hält es geschickt zurück: "Wir haben schon selbst gezüchtet. Wenn dann die Kleinen entkommen, sind sie erst mal weg, verstecken sich." Alle drei Tiere sollen jetzt Spezialernährung erhalten. "Als nächstes machen wir einen Bluttest, um sicherzugehen", sagt Volker-Robert Gerlitzki.

Das nächste Tier ist eine Vogelspinne. Besitzer Luca Lessing hat sie vor einem Dreivierteljahr über Ebay gekauft - und aus einer viel zu kleinen Glas-Box befreit. In ihrem neuen Terrarium hat sich die Spinne eine Wohnhöhle angelegt. Dr. Gerlitzki bestätigt die Annahme des Besitzers. Ansonsten deutlich behaart, scheint der Hinterleib um den Stachel fast nackt. Kein Grund zur Sorge: "Sie kleidet mit diesen Haaren ihre Wohnhöhle aus."

Die Spinne scheint völlig gelassen, krabbelt langsam über Transportboxen und Behandlungstisch. Zwei wunderschön gezeichnete Würgeschlagen in ihren Behältern sind dagegen höchst unterschiedlich "gelaunt". Während die eine etwa einen Meter lange Boa constrictor friedlich zu dösen scheint, reagiert die andere auf jede Bewegung in ihrem Umfeld mit weit aufgerissenem Maul und lautem Zischen. "Sie ist immer so drauf, beim Füttern muss man aufpassen", sagt Luca Lessing. Mäuse stehen auf dem Speisezettel der Vogelspinne und der beiden Würgeschlangen. Erreichen diese eine Länge von zwei Metern und mehr, müssen es schon Ratten sein. Nach dem Fressen kommen die Spinne und die Schlangen mehrere Wochen ohne weitere Nahrung aus.

Im Wartezimmer sitzen zwei Bartagamen auf den Armen von Rene Fleischer und Anika Hansen. Die Echsen wirken wie Überbleibsel einer längst vergangenen Zeit. Mit fast stoischer Ruhe warten sie auf ihren Gesundheitscheck beim Arzt. Einer der beiden "Australier" beobachtet mit wachsendem Interesse eine afrikanische Vogelspinne in ihrer durchsichtigen Transportbox. "Die ist zu groß, soweit bekommst nicht mal Du das Maul auf", befindet Rene Fleischer. "Aber probieren würde sie es schon, wenn sie dran käme", lacht Dr. Gerlitzki, während er den nächsten Patienten samt Besitzerin ins Behandlungszimmer bittet.

Das fast schwarze Wasserschildkrötenmännchen in der Holzbox stellt sich sofort auf die Hinterbeine, als der Deckel entfernt wird. Es wächst immer mehr in die Länge, versucht, sich mit seinen beiden mit Schwimmhäuten versehen Vorderbeinen hinaufzuziehen, während sein Hals immer länger wird. Dann kann es sich nicht mehr halten - und stürzt auf den Rücken. "Auf die gleiche Art ist er schon mal aus seinem Aquarium entkommen, von dem Trockenareal über die Glaswand und dann nach draußen gefallen", berichtet Maren Scheurer. Den Sturz hat der Panzerträger unversehrt überstanden.

Seine Besitzerin schätzt die Ruhe, die das Tier ausstrahlt. Gelegentlich sei jedoch ein wenig Vorsicht geboten. "Bei der Fütterung kann es schon mal passieren, dass man gezwickt wird - wenn man Salat hinhält und nicht auf die Finger aufpasst."

"Bei der Fütterung kann es schon mal passieren, dass man gezwickt wird."

Maren Scheurer über ihre Wasserschildkröte