Erfolgsmodell

Biomarkt: Händler wollen nicht an Bahnhof wechseln

Bergedorf "In die süßen Jäckchen und Hosen für Babys muss man sich einfach verlieben." Ulrike Lemke-Napp kauft sofort eine Babydecke aus reiner Merinowolle für ihr viertes Enkelkind, das im November erwartet wird.

Auch ein winziger gestreifter Pullover hat es der Großmutter aus Reinbek angetan. Für den Kauf von Baumwollmützen, die es mit und ohne UV-Schutz gibt, will sie dann doch lieber die ein- bis dreijährigen Enkelinnen dabei haben.

"Das Geschäft hier läuft super. Ich bin mit dem Umsatz sehr zufrieden", sagt Christa Penselin, die mit Naturtextilien, Baby-Bekleidung, Fellen und Accessoires aus Naturstoffen das Angebote des Biomarktes vor St. Petri und Pauli im Herzen Bergedorfs ab sofort ergänzt. Seit 30 Jahren verkauft die Händlerin auf dem Isemarkt sowie den Biomärkten in Altona und Blankenese ihre Waren.

Auch die fünf anderen Marktbeschicker, die jeden Donnerstag auf dem Kirchenvorplatz ihre Stände aufbauen, sind zufrieden, denken gar nicht an einen Umzug auf den vom Bezirksamt geplanten Nachmittagsmarkt vor dem Lohbrügger Bahnhofszugang. "Hier ist immer viel Publikum", sagt Susan Scharping, die seit sieben Jahren selbst gefertigte Gebrauchskeramik anbietet. Ihre Tassen, Becher, Schalen, Teller oder Krüge sind lebensmittelecht und ohne giftige Chemikalien gebrannt, so dass man sie mit gutem Gewissen als Essgeschirr nutzen kann.

"Einen neuen Markt auf der Lohbrügger Seite des Bahnhofes fürchten wir in keiner Weise", sagt Scharping. Das sei absolut keine Konkurrenz für den Biomarkt, der sich durch eine besondere Qualität auszeichnet. Das sieht auch Peter Kreipe so, der seit einem Jahr Schnittblumen, Kräuter und saisonale Pflanzen anbietet. Vor zwei Jahren zog er mit seiner Familie nach Kirchwerder und betreibt dort den "Erlebnisgarten Hamburg". Unter anderem vermietet er kleine Parzellen, auf denen Hobbygärtner ihre eigene kleine Scholle beackern und ernten können, was darauf wächst. Die Bewirtschaftung des Ackerlandes erfolgt nach den strengen Bioland-Richtlinien.

Die größten Bio-Anbauverbände Bioland und Demeter, deren strenge Regeln als Markenzeichen für ökologische Landwirtschaft gelten, kennt man in Bergedorf. Wer Bioprodukte kauft, ist von der umweltverträglichen und nachhaltigen Lebensmittelerzeugung überzeugt, haben die Marktbeschicker festgestellt. Das zeige auch die Beliebtheit des einzigen Bergedorfer Öko-Wochenmarktes vor der St. Petri und Pauli-Kirche, sind sie sich einig.

Die Idee dazu kam vor 18 Jahren von Wiebke Ohrt, Inhaberin des Bioladens "Milch & Honig", sowie von Andreas Senf, der auf dem Bergedorfer Wochenmarkt seit vielen Jahren Naturkost-Produkte anbietet. Schnell kam der Erdmannshof aus Krukow von der Familie Voß hinzu, der eigenes Fleisch vom Rind und Schwein verkauft. "Unsere Spezialität hier in Bergedorfer sind unsere hausgemachten Frikadellen", sagt Fleischermeister Georg Lemke. Er bietet im Verkaufswagen auch Katenschinken, handgemachten Käse und andere leckere Bio-Produkte aus der biologischen Landwirtschaft an.

Der Erdmannshof ist ein Demeter-Betrieb, genauso wie der Hof Darzau von Hans-Joachim Alvermann aus dem Wendland. Seit November steht er donnerstags vor der Kirche und bietet Obst, Gemüse, Kartoffeln und Eier an. Sein Vorgänger als Anbieter von Obst und Gemüse aus biologischem Anbau hatte sich zur Ruhe gesetzt.

Die Standgebühren kassiert die ehrenamtliche Marktleiterin Wiebke Ohrt und führt sie ans Bezirksamt ab. Mit einem eigenen Stand ist sie nicht mehr vertreten. "Ich konzentriere mich auf das Geschäft, beides wurde zu viel", sagt die Chefin von "Milch und Honig". Sie sieht die Pläne für einen neuen Wochenmarkt am Donnerstagnachmittag skeptisch: Bedarf für eine weitere Marktfläche vermag sie im Stadtgebiet nicht zu erkennen.