"Vier Pfoten"

Tierische Zuneigung mildert den Gestank

Bergedorf. Im Juni feierte Europa die Fußballwettkämpfe in Polen und der Ukraine. Doch was vier Wochen lang viele Fans mit Gesängen, bemalten Gesichtern und wehenden Fahnen bejubelten, hatte auch seine Schattenseiten.

Um die Straßen für die vielen Fußballtouristen in der Ukraine rein zu machen, wurden streunende Hunde massenweise getötet: erschlagen, vergiftet oder erdrosselt und in rollenden Krematorien verbrannt. Um diesem Grauen ein Ende zu setzen, machten sich Tierschützer von "Vier Pfoten" auf den Weg nach Kiew, um die Zahl der Streuner mit Kastrationen zu regulieren - darunter auch Anna-Lena Krebs aus Bergedorf.

Normalerweise arbeitet die 27-Jährige im Marketing der international tätigen Tierschutzstiftung "Vier Pfoten", die in Hamburg ihren deutschen Hauptsitz hat. Für zwei Wochen tauschte sie Schreibtisch und Stuhl im Altonaer Büro gegen Harke, Besen und Betäubungsspritzen im ukrainischen Tierheim. "Sich die Hände schmutzig zu machen, war ein großer Gegensatz zur sauberen Bürowelt", sagt sie.

Besonders der fürchterliche Kotgestank in dem Tierheim mit rund 500 Hunden sei zu Beginn schwer zu ertragen gewesen. "Doch man schraubt seine Ansprüche schnell herunter", sagt sie. Die Hunde hätten sie schnell akzeptiert und auf Schritt und Tritt begleitet. "Allein um diese Zuneigung zu erfahren, hat sich die Reise gelohnt", sagt die 27-Jährige.

Neben Zwinger schrubben und Wassernäpfe säubern half Anna-Lena dem Kastrationsteam, Streunerhunde von der Straße zu fangen und zu betäuben. In einer mobilen Klinik wurden sie von Tierärzten kastriert und nach überstandener Narkose wieder in die Freiheit entlassen. "Das zu beobachten, war wirklich spannend. Einfach eine tolle Erfahrung", sagt sie.

Trotz ihrer großen Zuneigung zu den Vierbeinern sei sie aber nie auf die Idee gekommen, einen Hund in die deutsche Heimat mitzunehmen. "Nach einem Leben auf den ukrainischen Straßen würde sich das Tier in meiner kleinen Wohnung in Bergedorf gar nicht wohl fühlen", sagt sie. Außerdem sei ein nach Deutschland mitgenommener Hund nur einer von Tausenden. "Der freigewordene Platz im Rudel wird mit Welpen sofort neu besetzt", erklärt Anna-Lena. Für die Regulierung der Population sei das also kontraproduktiv. "Deswegen stehe ich auch so sehr hinter unserem Kastrationsprojekt, denn das bringt wirklich etwas für die Zukunft", sagt sie.

Insgesamt schätzt "Vier Pfoten" die Zahl der Streunerhunde in der Ukraine auf etwa 100 000. Davon wurden seit April etwa 3600 Rüden und Weibchen kastriert. Bisher ein winziger Anteil, doch der Abpfiff der Fußball-Europameisterschaft bedeutet nicht das Ende des Projekts: "Wir gehen in die Verlängerung", sagt Anna-Lena Krebs.