Dekadenstrategie

Staatsrat will Sportpolitik nach Gutsherrenart

Bergedorf. Mit der "Dekadenstrategie für den Hamburger Sport" will der Senat die Hansestadt fit machen für eine Zukunft als Sportmetropole. Wie Sportstaatsrat Karl Schwinke (SPD) das Projekt in Bergedorfs Hauptausschuss erläuterte, wie er versuchte, die Zentralisierung von Aufgaben beim Bezirk Hamburg-Mitte als Dezentralisierung zu verkaufen, wie er Bergedorfer Vorbehalte ins Lächerliche zog, trieb vielen Politikern Ärger ins Gesicht.

Ein verkleinertes Landessportamt soll übergeordnete Aufgaben wahrnehmen, so für Veranstaltungen nationaler Bedeutung. Dass Bezirke Vorbehalte anmelden, wie Eimsbüttel ein Lauf-Event im Alstervorland ablehnen, soll es nicht mehr geben: Nicht weniger, mehr Groß-Veranstaltungen wie Hanse-Marathon, Cyclassics oder eine Ruderregatta auf der Alster - möglichst mit dem Deutschlandachter - seien das Ziel, betonte Schwinke: Zehn pro Jahr dürften es gern werden.

Das Sportstättenmanagement, Bau und Sanierung von Stadien und Plätzen, solle das Sportamt dagegen an die Bezirke abgeben. "Nicht an alle sieben, damit würde die Not doch nur verteilt, Hamburg-Mitte wird zuständig." Dass dorthin keinesfalls nur bisherige Aufgaben des Sportamtes verlagert werden, zugleich solche der anderen Bezirke zentralisiert werden sollen, ist unverkennbar. "Das Sportamt gibt fünf Mitarbeiter ab, die Bezirke sollen ebenfalls Personal abgeben", stellte Schwinke unverblümt klar.

Die Bezirke würden nach dem Bezirksverwaltungsgesetz noch angehört. Die einstimmige Forderung der Bezirksversammlung Bergedorf, auf diese Zentralisierung und Schwächung der Bezirke zu verzichten und, wenn schon, dann doch Bergedorf mit dem Sportstättenmanagement zu betrauen, wischte der frühere SPD-Fraktionschef in der Bezirksversammlung Wandsbek beiseite. Der Senat habe Interesse an der Nähe zum neuen Sportstättenmanagement im Bezirk-Mitte, die sieben Bezirksamtsleiter hätten sich nach längerer Diskussion auf diese Lösung "geeinigt", zudem sei das gesamtstädtische Interesse von übergeordneter Bedeutung: "Bergedorf ist doch nicht allein auf der Welt. Man könnte sagen, Bergedorf wäre ein Stadtteil von Wandsbek, zumindest ist es ein Stadtteil von Hamburg."

Dass Schwinke, zugleich Staatsrat für Hamburgs Bezirke, diese sieben mit den gut 100 Stadtteilen gleichsetzte, war dann doch zu viel. "Bergedorf wurde erst durch das Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 Teil Hamburgs", verwahrte sich Linksfraktionschef Stephan Jersch mit Blick auf das Nazigesetz gegen jede Geschichtsklitterung. "Nehmen Sie zur Kenntnis, wir sind kein Teil Wandsbeks, Bergedorf zeichnet sich dadurch aus, dass Eigeninitiative eine größere Rolle als anderswo spielt", mahnte Ernst Mohnike (FDP) mit Blick auf den Bau weiterer Kunstrasenplätze.

CDU-Fraktionschef Sven Noetzel bezweifelte, dass das Ziel erreicht werde, bis 2020 alle Sportstätten zu sanieren, ohne dass Hamburg weiteres Geld investiert. Auf mehrmalige Nachfragen blieb Schwinke schwammig, wer künftig die Prioritäten festsetzt, "darüber müssen sich die Bezirke einigen". SPD-Vize Paul Kleszcz warnte: "Wir halten an unserer Meinung fest. Und wir werden uns die Prioritätensetzung genau anschauen."