Spiegelsaal

"Gänsehaut pur" zum Abschluss der Musiktage

Bergedorf. Ein herrlicher Ausklang: Statt Pauken und Trompeten - auch die gab es bei den 10. Bergedorfer Musiktagen - fand die wohl größte Musikveranstaltung im Osten Hamburgs mit einem dezenten, feinstens servierten Hauch der Romantik ihren Abschluss.

Im ausverkauften Spiegelsaal des Rathauses gastierten Jale Papila (Alt), Fumiko Shiraga (Klavier) sowie der renommierte Pianist, Musikproduzent und geschätzte Klavierpädagoge Cord Garben. Es war der 15. und letzte Abend der Musiktage 2012.

Die Luft im Spiegelsaal war nach dem heftigen Regen am Freitagabend zwar eher erdrückend. Willkommene Erfrischung aber bot die Musik - und das gleich in großer Vielfalt: Stil- und ausdrucksvoll eröffneten Fumiko Shiraga und Cord Garben den exzellenten Abend mit vierhändigem Klavierspiel. Melancholisch, voller Hingabe erklang die Fantasie f-Moll von Franz Schubert, in der das wiederkehrende Leitmotiv, die Zerrissenheit, Verzweiflung ist, die aber auch einen gar eleganten Seufzer hin zum intakten Salonleben betonte.

Tadellose Spielqualität beflügelte von den ersten Takten an das Karussell der Gedanken. Die Musik fesselte, schnell war die Luft im Saal vergessen. Ganz in seinem Element war der Präsident der Johannes-Brahms-Gesellschaft, Cord Garben, als er mit Fumiko Shiraga die berühmten 16 Walzer von Brahms in einer neu bearbeiteten Fassung für vier Hände interpretierte. "Gänsehaut pur", meinte eine begeisterte Zuhörerin schon in der Konzertpause.

Romantisch ging es auch weiter: Die in der internationalen Szene geschätzte und auch in Bergedorf schon mehrfach bejubelte Altistin Jale Papila berührte die im Spiegelsaal versammelten Seelen mit einer Parade romantischer Lieder von Franz Schubert, Hugo Wolf und Antonin Dvorak. Bereits Schuberts Vertonungen von Schiller (Sehnsucht) und Goethe (Gretchen am Spinnrade) elektrisierten, noch mehr Papilas Stimme selbst.

Ausdrucksstark etwa "Nur wer die Sehnsucht kennt" von Hugo Wolf, ihre volle dynamische Bandbreite aber präsentierte Jale Papila mit den ausgewählten Zigeunerliedern von Dvorak. Während die Sängerin mit ihrem Vokalpart brillierte, leistete Cord Garben im "Hintergrund" erstklassige Arbeit am Klavier. Stets an der Gesangsstimme orientiert, einfühlsam, aber zurückhaltend - was die wahre Größe des guten Begleiters ausmacht.

Bravorufe, lang anhaltender Beifall, der auch den unermüdlichen Organisatoren der Bergedorfer Musiktage um Dr. Farhang Logmani galt, bildete den würdigen Abschluss einer erneut großartigen Konzertreihe.