Gewerkschaftler

Streitbar, aber beliebt beim Team der Post

Bergedorf. Sein Büro im zweiten Obergeschoss der Bergedorfer Post schmücken Schlagzeilen wie "Postzusteller wehren sich", "Gewerkschaft prophezeit heißen Herbst" oder "Mindestlohn für alle, Millionengehalt für niemand".

Dazu gibt es schlichtes Mobiliar, Neonlicht und das Schild "Betriebsrat Taubert" in weißen Steckbuchstaben auf braunem Grund neben der stets offnen Tür. Nichts passt hier zum Stil der "Teppichetage", wie der Führungskräfte-Bereich da oben im Zusteller-Saal einen Stock tiefer genannt wird.

Aber es passt zu Jürgen Taubert. Der 61-Jährige gilt in Bergedorf und im gesamten Zustellbereich der 21er-Postleitzahlen als leidenschaftlicher Kämpfer für die Belange der Mitarbeiter. Und als Urgestein der Gewerkschaftsarbeit: Schon seit 30 Jahren ist er als Personal- und Betriebsrat sowie Funktionär von Ver.di und der alten Postgewerkschaft aktiv. Zuständig heute für die 4000 Beschäftigten der Post-Niederlassung Hamburg-Süd, die von Hamburgs Osten bis nach Celle reicht.

Doch die Ära Taubert ist zu Ende: Heute wird der noch gar nicht rentenreif wirkende Jürgen, wie ihn alle Postler nennen, in den Ruhestand verabschiedet. "Eigentlich würde ich gern bis zum 65. Lebensjahr arbeiten. Aber als Gewerkschafter kann ich Errungenschaften wie den Vorruhestand doch nicht einfach links liegen lassen", sagte er bei der Abschiedsfeier in Bergedorf.

Um 7.50 Uhr ruhte im Zusteller-Saal für eine halbe Stunde die Arbeit. Denn keiner der gut 50 Briefträger, die hier ihre Post für die Touren sortieren, wollte Tauberts Abschied verpassen. Immerhin hatte er in Bergedorf 1968 als Azubi begonnen, wurde 1982 zum Betriebsrat und 1988 als Nachfolger des legendären Egon Boldt zum Chef des Ortskartells der Postgewerkschaft gewählt.

Tauberts Spuren sind beeindruckend. Unter anderem sind heute über 90 Prozent der Bergedorfer Postler Gewerkschaftsmitglied, hat er mit Peter Jagusch seinen Nachfolger bei Ver.di aussuchen dürfen - und beim Abschied sogar Lob vom traditionellen Gegenspieler bekommen: "Ich kenne niemanden, der sich so engagiert und streitbar wie Jürgen Taubert für die Mitarbeiter der Post einsetzt. Ich habe viel von ihm gelernt", sagte Bergedorfs Post-Chef Carsten von Schassen und zitierte einen der nicht nur ihm bestens geläufigen Taubert-Sprüche: "Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet Argumente."

Ganz mag der so Gelobte aber auch im Ruhestand nicht von der Gewerkschafts-Arbeit lassen. Neben Reisen mit Ehefrau Carmen, dem Garten am Haus in Handorf, aktivem Tennissport und dem Anfeuern "seiner" HSV-Fußballer bleibt er im Hamburger Ver.di-Vorstand aktiv. Mehr noch: "Ich hoffe, dass es auch mit meiner Wiederwahl 2014 klappt. Ich stehe jedenfalls auch dann noch zu Verfügung", sagt Jürgen Taubert.

"Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet Argumente." Jürgen Taubert