CCB-Fachmarktzentrum

Hier gibt's jetzt Klassik auf die Ohren

Bergedorf. Passanten trauen ihren Ohren kaum: Vor dem Kaufland-Supermarkt im CCB-Fachmarktzentrum, auf dem ebenso idyllischen wie leeren Kampdeich, ertönen jetzt klassische Klänge.

Aus fünf Lautsprechern, die oben auf dem Dach der Arkaden befestigt sind, wird die Promenade vom Fußgänger-Tunnel unter der Bergedorfer Straße bis fast zur Moschee mit Mozart, Bach & Co. beschallt.

Was an den Hamburger Hauptbahnhof erinnert, wo die Trinkerszene an der Kirchenallee nach Jahren der Unterhaltung mit Klassik entnervt das Weite suchte, erklärt CCB-Betreiber Fundus mit dem Willen, "eine gute Atmosphäre zu schaffen", wie es Geschäftsführer Helmut Jagdfeld nennt. "Es ist ein Experiment, den Aufenthalt auf der Promenade angenehmer zu machen, als er trotz der attraktiven Nachbarschaft des Schleusengrabens heute zu sein scheint." An das Vertreiben unerwünschter Personengruppen sei nicht gedacht.

So argumentiert übrigens auch Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis im Hinblick auf den Hauptbahnhof: "Über den Sinn und Zweck der Beschallung gibt es viele Legenden. Unser Ziel ist es lediglich, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen." In den vergangenen Jahren habe man mit der Musikbeschallung der Eingangsbereiche sehr gute Erfahrungen gemacht: "Die leichte klassische Musik wird von den Reisenden sehr gut angenommen", sagt er.

Am CCB fallen die Meinungen über die Musikbeschallung sehr unterschiedlich aus: "Das beruhigt irgendwie", sagt der 58-jährige "Walla" aus Lohbrügge, der sich jeden Tag mit seiner Lebensgefährtin Sonja an den bunten Kunstskulpturen trifft. Nach Feierabend trinken die beiden Ein-Euro-Jobber im Garten- und Landschaftsbau dort gern ein paar Flaschen Bier. Die klassischen Klänge stören sie dabei nicht: "Das kann ruhig so bleiben", sagt die 54-jährige Sonja.

Eine Jugendgruppe, die sich den Platz vor Kaufland als regelmäßigen Treffpunkt ausgesucht hat, ist hingegen genervt: "Die Musik ist total langweilig. Aber wir lassen uns hier nicht vergraulen", sagt die 17-jährige Miku aus Billstedt. Das sieht auch Mario Rumer (44) aus Bergedorf so und demonstriert dagegen mit einer lauten Trillerpfeife. "Die Zwangsbeschallung ist ein Eingriff in die persönliche Freiheit", meint Rumer.

Das sieht Bergedorfs Baudezernent Uwe Czaplenski anders: "Die Musik kommt vom Privatgrund, nämlich vom CCB Fachmarktzentrum. Und die Lautstärke ist angemessen. Niemand in der Nachbarschaft wird erheblich belästigt. Nur dann wären wir laut Bundesimmissionsschutz-Gesetz zum Abschalten verpflichtet."

Ob der Beschallung noch andere Schritte zur Aufwertung der Promenade folgen, ist derweil völlig unklar: "Wir führen laufend Gespräche mit unseren Mietern, die im Fachmarktzentrum alle Türen für eine mögliche Außengastronomie zum Kampdeich haben. Aber ihnen ist die Frequenz von Passanten dort zu gering", sagt Helmut Jagdfeld. Und Uwe Czaplenski bestätigt: Es ist zwar eine attraktive Fläche direkt am Wasser. Aber Anträge etwa für ein Café oder gar einen Beach-Club gibt es bisher keinen einzigen."