Gesetzesnovelle

Schornsteinfeger verlieren Monopol

Bergedorf. Schornsteinfeger bringen Glück. Das prophezeit der Volksmund jedenfalls dem, der die Männer in Schwarz anfasst.

Wer dagegen Post von ihnen in den Händen hält, sollte ins Grübeln kommen. Vor allem in diesen Tagen.

Denn aktuell erreichen solche Briefe alle Hauseigentümer, die aufmerksame Leser stutzen lassen: Plötzlich dient ihnen ausgerechnet der Bezirksschornsteinfegermeister Dienste an, die sie bisher doch eigentlich ausschließlich von ihm beziehen durften. Das Messen der Abgaswerte der Heizanlage etwa oder das Fegen der Schornsteine.

"Spätestens ab 2013 ist jeder Eigentümer beziehungsweise Verwalter dafür verantwortlich, dass alle im jetzt erstmals verschickten Feuerstättenbescheid vorgegebenen Arbeiten fristgerecht und ordnungsgemäß ausgeführt werden", informiert das Anschreiben, um weiter unten vor den komplizierten Neuerungen zu warnen, die das Gesetz zur Neuregelung des Schornsteinfegerwesens mit sich bringe. Fazit des Berufsstandes für seine bisherigen Zwangskunden: "Machen Sie es sich einfach. Entscheiden Sie sich weiterhin für unsere bewährte Zusammenarbeit."

Was passiert ist, erklärt Dirk Pinnau, stellvertretender Bezirksmeister der Bergedorfer Heizungsbauer: "Dank der Gesetzesnovelle dürfen wir vom kommenden Jahr an alle Abgaswerte erheben und per Formblatt an die weiter als Prüfinstanz vorgesehenen Bezirksschornsteinfeger melden. Haben Hauseigentümer einen Wartungsvertrag mit einem Handwerker, werden diese Daten allerdings ohnehin ermittelt. Für die Hauseigentümer bedeutet das also: Sie können sich künftig die zusätzlichen Schornsteinfegerkosten sparen."

Tatsächlich bleiben nur alle rechtlich relevanten Aufgaben wie Bauabnahmen, das Freigeben von Feuerstätten und die Überprüfung der erhobenen Werte weiter fest in der Obhut des Bezirksschornsteinfegers. "Wir erleben die Umsetzung einer EU-Vorgabe, die nach fast zehnjähriger Vorarbeit ab 2013 den handwerklichen Teil unserer Arbeit grundlegend neu ordnet", sagt Jan Witt aus Nettelnburg, einer der zehn Schornsteinfegermeister im Bezirk Bergedorf.

Ob die Novelle das Schornsteinfegerwesen wirklich grundlegend für neue Anbieter öffnen wird, wie es die EU beabsichtigt, bleibt abzuwarten. "Es könnte sein, dass große Grundeigentümer wie etwa Wohnungsbau-Genossenschaften die Aufträge für ihre Anlagen europaweit ausschreiben", meint Jan Witt. Generell glaubt aber auch Dirk Pinnau nicht an eine große Abwander-Bewegung: "Wer bisher gute Erfahrungen mit seinem Schornsteinfeger gemacht hat, wird wohl kaum wechseln." Hintergrund ist die Konstruktion der Gesetzesnovelle: Wer nicht selbst aktiv wird und den Absprung einleitet, wird von seinem Bezirksschornsteinfeger automatisch weiter betreut.

"Machen Sie es sich einfach. Entscheiden Sie sich weiterhin für unsere bewährte Zusammenarbeit."

Schornsteinfeger im aktuellen Schreiben an Hauseigentümer