Society

Carmen Geiss und Familie Drews lieben ihre Mode

Bergedorf. Sie hat es von Sylt nach Los Angeles geschafft, lernte Schauspieler Ralf Möller kennen, traf Stars wie Nicole Kidman und knüpfte jede Menge Kontakte. Schon bald könnte der Name der Modedesignerin Silvia Fritz, die seit einigen Monaten in Bergedorf lebt, in aller Munde sein.

Denn die 45-Jährige, die erst vor drei Jahren damit begann, Mode zu entwerfen, startet derzeit richtig durch. Zu den prominenten Kunden der Neu-Bergedorferin zählen etwa die Familie von Schlagersänger Jürgen Drews, Profi-Fußballer Änis Ben-Hatira und das Ehepaar Geiss ("Die Geissens").

"Ich liebe den Stilbruch - und ich mag Totenköpfe", versucht Silvia Fritz, ihren Stil zu beschreiben. Tatsächlich sind ihre T-Shirts, Hemden und Hosen oft reich an Details: Glitzersteinchen, Sprüche, Totenköpfe oder auch mal eine Spielkarte zieren Ärmel, Krägen oder Rücken. Ihre Kollektionen umfassen jeweils nur wenige Teile - denn die 45-Jährige baut ihr Unternehmen noch auf, hat jetzt auch eine Homepage ( www.desperate-sylt.com ).

Die gebürtige Kanadierin, die 1995 der Liebe wegen nach Sylt zog und drei Kinder hat, vermietete eigentlich Ferienhäuser, als ihr Leben eine Wendung nahm. "Ich wollte mir einen Jogginganzug kaufen und hatte ganz bestimmte Vorstellungen", erinnert sie sich. Die Hose sollte am Knöchel kein Bündchen haben, die Jacke kurz sein. "Aber das gab es nirgends." Ein Bekannter sagte schließlich, wenn sie so ausgefallene Wünsche habe, solle sie sich ihren Jogginganzug doch selber entwerfen.

Eine Idee war geboren. Durch einen anderen Bekannten, einen türkischstämmigen Designer, knüpfte Silvia Fritz Kontakt zu einer Textilfabrik in Istanbul, in der eigene Entwürfe produziert werden können - allerdings in größerer Stückzahl. Sie erwarb ein Patent und ein Logo für ihre Marke "Desperate Sylt", reiste nach Istanbul, suchte Stoff und Farbe aus und erklärte genau, was sie wollte. Für das Modell in Größe S stand sie selbst Modell - die Entwürfe können dann auch problemlos in den Größen M oder L angefertigt werden. Bis heute setzt Silvia Fritz so ihre Ideen um, "denn meine Zeichnungen sind grauenhaft", wie sie gesteht.

Der Jogginganzug war nur der Anfang: Weitere Entwürfe, die schnell Abnehmer fanden, folgten. Als sie per Facebook mit einem Adoptivsohn Frederick von Anhalts kommunizierte, ihm eine selbst entworfene Sweatshirt-Jacke schickte, sei er "begeistert" gewesen, berichtet sie. Er lud sie spontan zu einem Video-Dreh nach Los Angeles ein. Silvia Fritz ging zu Galas "und zu den Grammys", schritt im selbstentworfenen Abendkleid über den roten Teppich.

Ihre Kontaktfreudigkeit brachte ihr neue Kunden, etwa Familie Drews, Familie Geiss ("Carmen Geiss liebt meine Jeans") und Dieter Bohlens Ex-Freundin Estefania Küster.

Im Herbst 2011 folgte Silvia Fritz ihrem neuen Lebenspartner nach Bergedorf, baut nun von hier aus ihre Modelinie aus. Teile ihrer Kollektion werden in hiesigen Läden verkauft, "zum Beispiel bei Schramm Moden", sagt sie.

An ihre neue Heimat muss sich die gebürtige Kanadierin erst noch ein bisschen gewöhnen. Und umgekehrt: "Wenn ich mit Jogginganzug und Ugg-Boots zum Einkaufen gehe, gucken die Leute hier ein bisschen komisch", sagt sie lächelnd. Aber verbiegen will sich die 45-Jährige nicht, die augenzwinkernd über sich sagt: "Ich war auch die Paris Hilton von Sylt."