Jugendpolitik

Eine neue Scheckkarte für das Bildungspaket?

Bergedorf (stri). Vor gut einem Jahr, im April 2011, startete bundesweit das Bildungs- und Teilhabepaket zur Förderung von Kindern und Jugendlichen, deren Eltern Hartz IV oder Arbeitslosengeld bekommen.

Allein in Hamburg sind rund 78 500 Kinder und Jugendliche leistungsberechtigt - doch bloß etwa ein Fünftel hat das Angebot angenommen. Daher schaltet die Behörde für Soziales und Familie nun eine sechsmonatige Hotline, die unter der Nummer (040) 428 28 30 00 erreichbar ist. Was können wir noch tun, damit mehr Eltern ihre Kinder fördern? Die Frage wurde nun im Bergedorfer Jugendhilfe-Ausschuss diskutiert.

"Wir schreiben in diesem Jahr nochmals unsere Harz IV-Kunden an, haben ausreichend Plakate und Flyer in sieben Sprachen verteilt und die Vereine informiert", sagt Angelika Brauer, die das Thema für alle Hamburger Job-Center betreut.

Kostenloses Mittagessen werde gern angenommen, ebenso die Übernahme der Schulwegkosten oder auch die Zuschüsse für Kita-Ausflüge. Anders sieht es bei Sportvereinen und Musikschulen aus, deren Kurse mit monatlich zehn Euro bezuschusst werden: "Da werden die politischen Erwartungen sicherlich nicht erfüllt werden. Denn auch durch mehr Werbung wird ein Kind nicht zum Sport motiviert, wenn seine Eltern das nicht forcieren", bedauert Angelika Brauer.

Obwohl das Antragsverfahren in Hamburg ausgesprochen unbürokratisch ist, haben 2011 nur 6433 Kinder und Jugendliche die Förderung im Bereich Sport genutzt, im Bereich Kultur waren es gar bloß 761 Anträge. Separate Zahlen für einzelne Bezirke gebe es leider nicht, bedauert Bergedorfs Sozialamtsleiterin Angelika Lange: "Aber ich weiß, dass die Schulbedarfspauschale bei uns sehr gut angenommen wird" - immerhin bis zu 100 Euro pro Schuljahr.

Oft aber sei die Hemmschwelle hoch, um Hilfe anzunehmen: "Viele Eltern, besonders afghanische Familien, wollen sich nicht outen", berichtet Angela Jeglin aus dem Kinder- und Familienhilfezentren Neuallermöhe.

Ob auch Angebote unterstützt werden, die unverbindlich und unregelmäßig sind, wollte Evin Kandemir vom Mädchentreff Lohbrügge wissen: "Wir kochen manchmal gemeinsam oder helfen bei den Hausaufgaben, da kommen die Mädchen natürlich freiwillig." Bergedorfs Sozialraum-Manager Sven Dahlgaard, der weiß, dass in Hamburg etwa 15 Millionen Euro nicht abgerufen wurden, wirbt bei den freien Trägern: "Auch in der offenen Kinder- und Jugendarbeit ist vieles erstattungsfähig."

Nicht zuletzt informierten sich Bergedorfs Jugendpolitiker über das Verfahren der Stadt Plön, die allen berechtigten Kindern und Jugendlichen ein Scheckkarte mit Identifikations-Nummer ausgibt, auf der Geld für Paket-Leistungen hinterlegt ist: "Die Jugendlichen finden das vielleicht ganz hip, weil sie die Karte selbst im Internet bewirtschaften können", sagt Angelika Brauer. In Hamburg werde in ähnliche Richtung gedacht. "Die Behörde will eine flächendeckende Karte fürs Mittagessen einführen, vielleicht sogar auch für den HVV." Bloß sei noch keine politische Entscheidung gefallen, zudem ist Geduld gefragt: Bei dem Finanzvolumen müsste der Karten-Auftrag wohl europaweit ausgeschrieben werden.