Prozess

Mildes Urteil nach brutaler Schlägerei

Bergedorf. Das Opfer ist vermutlich für sein Leben gezeichnet. Doch die Täter kamen gestern mit einer Bewährungs- und einer Geldstrafe davon.

Ein Jahr Haft auf Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung für Michael P. (25), 180 Tagessätze in Höhe von acht Euro, zusammen also 1440 Euro Geldstrafe für Tobias W. (26) wegen Widerstand, Beleidigung und Verletzung von Polizisten - diese Urteile fällte gestern Nachmittag Amtsrichter Götz Schwerin im Bergedorfer Amtsgericht. Mehrfach musste der Richter die etwa 20 Zuhörer im Saal zur Ordnung rufen, die mit Protestrufen härtere Urteile für die beiden Angeklagten einforderten.

Opfer Wulf T. ist den Tränen nahe. "Hätten die mich erst umbringen müssen, damit sie in den Knast kommen?", stammelt er verzweifelt. Der 32-jährige kaufmännische Angestellte aus Bergedorf hatte im Januar vor der Restaurant-Kneipe "Lavastein" bei einem völlig überraschenden Angriff der beiden Angeklagten Dutzende von Jochbein- und Kieferbrüchen erlitten (wir berichteten), leidet seitdem unter Taubheitsgefühlen, Seh- und Gleichgewichtsstörungen, Panikattacken. Auch sein Freund und Begleiter Dennis Z. (24), der die Angeklagten gemeinsam mit T. wenige Stunden zuvor im "Lavastein" kennengelernt hatte, erhielt zwei Faustschläge gegen den Kopf, die zu Platzwunden führten.

In der mehrstündigen Beweisaufnahme mit Zeugenaussagen der beiden Geschädigten und vier Polizisten konnte dem mehrfach wegen Körperverletzung vorbestraften Tobias W. eine Beteiligung an der wüsten Attacke nicht nachgewiesen werden. Niemand hatte ihn zuschlagen sehen. Die Geldstrafe verhängte Richter Schwerin gegen ihn, weil er bei der Festnahme unmittelbar nach der Tat eine Polizistin zu Boden gestoßen, außerdem später auf der Wache Polizisten beleidigt und bespuckt hatte.

Anders liegen die Dinge bei Michael P.: Er hatte bereits in einer ersten Verhandlung vor zwei Wochen gestanden, dass er zwei Fausthiebe auf Wulf T. und die beiden Schläge auf Dennis Z. abgegeben hatte. Eine Reihe von weiteren Schlägen und Tritten, die auf Wulf T. niederprasselten, nachdem sein Freund Dennis Z. Hilfe suchend ins Lokal zurückgelaufen war, konnten aber keinem der beiden Angeklagten zweifelsfrei zugeordnet werden. Auch die von den behandelnden Ärzten vertretene Überzeugung, bei den schweren Verletzungen müsse ein Schlagring im Spiel gewesen sein, blieb unbewiesen. So eine Waffe wurde nie gefunden..