Krankheitswelle

"Fiktion" - wenn Architekten ohne Genehmigung bauen

Bergedorf. Eine Krankheitswelle trifft Hamburgs kleinstes Bauamt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Mindestens 600 von 6000 in Hamburgs Wohnungsbauoffensive jährlich geforderten neuen Wohnungen sollen die an der Wentorfer Straße beheimateten Bauprüfer jedes Jahr genehmigen, hinzu kommen große Umbauvorhaben, Gewerbebauten und viele im Zusammenhang benötigte Papiere.

Bauherren waren zunächst verärgert, dann verwundert, Architekten munkeln von Überarbeitung. Fakt ist: Zwei von acht Vollzeitkräften sind schon viele Monate krank geschrieben, weitere der insgesamt 16 Kollegen waren über Wochen ausgefallen. Manche Genehmigung verzögerte sich, für einige Vorhaben nutzten die Prüfer eine Möglichkeit, die ihnen das Baugesetzbuch zubilligt. Werden Projekte im vereinfachten Verfahren, Garagen oder Einfamilienhäuser, nicht binnen eines Monats genehmigt oder verstreichen bei Notwendigkeit von Befreiungen zwei Monate, greift die Fiktion: Der Bau darf dann auf Basis der Anträge errichtet werden, die "vorlageberechtigte" Architekten oder Ingenieure eingereicht haben.

"Die Bauprüfung dient auch dazu, möglicherweise kritische Fragen zu erkennen und zu prüfen", mahnt Architekt Andreas Kramer: Die "Genehmigungsfiktion" müsse die Ausnahme bleiben. Rasche Prüfungen sind natürlich im Sinne von Planern und Bauherren, so der Kirchwerder Architekt: "Dass Hamburg versucht, immer schneller zu werden, fördert jedoch Verunsicherung bei Bauprüfern."

Bergedorfs Bauprüfabteilung sei im Regelfall hinreichend stark, hält Kathrin Sprick dagegen. "Wenn in unserem kleinen Haus zwei Vollzeitkräfte langfristig und zeitgleich über Wochen mehrere weitere Prüfer ausfallen, können wir dies jedoch kaum ausgleichen", sagt die Leiterin des Zentrums für Wirtschaft, Bauen und Umwelt. Jetzt sei deutliche Besserung in Sicht: Rückkehrer aus der Elternzeit sowie das Okay für die Einstellung eines neuen Kollegen sollen helfen, die Arbeit zeitnäher zu bewältigen. Sprick: "Die Fiktion haben wir nur bei den Anträgen zugelassen, die erkennbar unkritisch sind."