Investieren oder aufgeben

Den Hansa Filmstudios stellt sich die Gretchenfrage

Bergedorf/Lohbrügge (tv). Dieter Lange sagt es nicht gern, auch wenn die Wahrheit auf der Hand liegt: "Ein verregneter Sommer ist das Beste, was einem Kino passieren kann." Jeder Millimeter Niederschlag lässt die Kasse seiner Hansa Filmstudios in der warmen Jahreszeit ein bisschen klingeln.

Am Donnerstag mit Beginn der Hamburger Schulferien startet in den Hansa Filmstudios das Ferienprogramm mit zusätzlichen Vorstellungen um 12.30 Uhr auch an Werktagen. Und fast jede Woche startet eine neue Folge von bewährten Blockbustern wie Spiderman, Ice Age oder Batman.

"Auch ein verregneter Ferientag ist in Bergedorf dank der Hansa Filmstudios also ein schöner Ferientag", kriegt Kinobetreiber Lange die Kurve. Der Sommer 2011 mit seinen vielen Regentagen war für ihn ein guter Kinosommer. Insgesamt fanden im vergangenen Jahr 15 Prozent mehr Besucher den Weg in die drei Kinosäle an der Alten Holstenstraße 17 - eine Steigerung, die das kleine Lichtspielunternehmen nach seiner Neuorganisation zum Jahreswechsel 2009/2010 gut gebrauchen konnte. Damals schloss Lange das nicht mehr ganz zeitgemäße Hansa-Kinocenter an der Bergedorfer Straße und konzentrierte sich auf die 1989 errichteten Filmstudios in Lohbrügge. "Die Entscheidung war richtig", sagt Dieter Lange, die Säle an der Bergedorfer Straße waren einfach zu klein. Zudem hatten wir schon Jahre zuvor zugunsten des Aldi-Markts einen Saal aufgeben müssen. Stattdessen führte er in den Filmstudios zusätzliche Vorführungen um 15 Uhr, am Wochenende auch um 10 und um 12.30 Uhr ein und zeigte familiengerechte Filme: "Bei Eintrittspreisen zwischen 5 und 6,50 Euro liegt unsere große Chance im Familienkino. Eine vierköpfige Familie gibt doch lieber 25 Euro bei uns als 50 Euro in Hamburg für den Kinospaß aus."

Fast 30 Jahre lang, seit 1983, hat der Kino-Mann das Filmgeschehen in Bergedorf geprägt. Spätestens im Jahr 2013 steht ihm die nächste große Entscheidung ins Haus: Mehr als 200 000 Euro für digitale Projektionstechnik investieren? Oder bald ganz aufhören?

Noch bedienen Dieter Lange und sein Team im Vorführraum die althergebrachten analogen Filmspulen mit 35 Millimeter breiten Zelluloidstreifen. Doch der technische Fortschritt macht auch hier nicht halt. Die Filmverleih-Firmen drängen die Kinobetreiber nun aber zur digitalen Umrüstung, schildert Lange: "Bisher wird noch jeder Film auf Spulen angeboten, aber die Stückzahlen werden kleiner." So kam es, dass in diesem Jahr der Riesen-Kinoerfolg "Ziemlich beste Freunde" erst sieben Wochen nach seinem Bundesstart nach Bergedorf kam. "Ich hatte mich allerdings auch spät um den Film bemüht", räumt Lange ein, "er war schließlich ein Überraschungserfolg." Gleichwohl wird es nach seinen Worten nicht mehr lange dauern, bis die ersten Filme ausschließlich digital auf den Markt kommen. Spätestens dann sollte ein Kino digital aufgerüstet sein, wenn es Zukunft haben will. Dieter Langes Problem: "Es macht keinen Sinn, die drei Säle nach und nach zu digitalisieren." Das wäre mit dreimal 70 000 Euro Investition zwar leichter zu wuppen. Ein Kollege und Freund es mit seinem Kino auch so angegangen, erzählt Lange: "Der bekommt jetzt aber von den Verleihfirmen überhaupt keine 35-Millimeter-Filme mehr. Die sagen einfach: Du kannst doch digital, dann mach' es auch. Dass bei ihm jetzt einer der beiden Säle dunkel bleibt, interessiert die gar nicht."

Gern würde der Filmstudio-Chef die Investition wagen und auch noch einen vierten Kinosaal auf dem Grundstück errichten. "Mit dem Grundeigentümer und dem Bauamt ist diese Option schon ausgelotet." Was Dieter Lange aber fehlt, ist Planungssicherheit in Sachen Mitbewerber: "Wenn an Bergedorfs Ortseingang tatsächlich ein Multiplex-Kino entsteht, dann lasse ich das schön bleiben." Ein klares "Aus" für das Projekt am Weidenbaumsweg lässt aber - trotz zwischenzeitlich abgesprungener Betreiber - bislang auf sich warten.

Erst einmal beginnt am Donnerstag in den Hansa Filmstudios das Ferienprogramm mit Blockbuster-Starts wie "Spiderman" am 27. Juni oder "Ice Age 4" am 2. Juli. Und Dieter Lange schaut nachdenklich in den Himmel: Ob es nächste Woche regnet?