Forderung

Tafel des Altbaus als Bahnhofs-Denkmal

Bergedorf. Kaum ist der Bahnhofsvorplatz eingeweiht, weckt seine weite Fläche Begehrlichkeiten: "Mir fehlt eine Erinnerung an den alten Bahnhof, der das Gelände hier immerhin 71 Jahre geprägt hat", bringt der Reinbeker Dittmar Nebcke die beim Abriss säuberlich aus der Fassade getrennte Sandstein-Tafel in Erinnerung.

"Sie gehört hier her und sollte nicht im Museums-Lager verstauben."

Tatsächlich liegt das viele Hundert Kilo schwere Relief in vier Teile zerlegt im Magazin des Bergedorf-Museums in Neuengamme. "Wir hatten es vor einem Jahr im Schloss, als Ergänzung der Bilder-Ausstellung des 'bz'-Fotografen Egon Klebe", sagt Archivarin Dr. Christel Oldenburg. Sie würde es begrüßen, wenn das Werk, das zur Einweihung des alten Bahnhofs 1937 enthüllt worden war, wieder in sein altes Umfeld zurückkehrt "Wir haben es im Sommer 2007 als Schenkung der Bahn bekommen, die damals nur den Hinweis gab, dass es keinen Platz im anschließenden Bahnhofsneubau finden werde."

An das behutsame Herauslösen des Reliefs aus dem Mauerwerk zwischen den beiden Eingängen des Altbaus erinnert sich Eisenbahn-Fan Dittmar Nebcke noch genau: "Das war am 23. Juli vor fünf Jahren. Damals hielt ich die ganze Veränderung des Bergedorfer Zentrums mit der Kamera fest. Vier Stunden haben die Bauarbeiter gebraucht. Dann lag das Relief in vier Teilen auf Paletten und wurde ins Museum transportiert."

Während die Tafel gerettet wurde, ging mit dem Abriss des Gebäudes neben der alten Uhr auch die Malerei verloren, die in der Empfangshalle die Bergedorfer Eisenbahngeschichte darstellte. Genau diese Historie will FDP-Sprecher Rüdiger-Horst Bambach künftig auf einer Tafel beschrieben wissen, "die neben dem Relief auf dem Bahnhofsvorplatz einen idealen Standort hätte".

Tatsächlich rollte die erste Eisenbahn zwischen Hamburg und Bergedorf schon im Mai 1842. An diese erste Linie in ganz Norddeutschland erinnert bis heute das alte Kassenhäuschen am Neuen Weg. Seit 1846 gibt es zudem den "Bergedorfer Hauptbahnhof" an der heutigen Stelle. Der gerade eingeweihte moderne Bau ist bereits der dritte Bahnhof am Weidenbaumsweg.

Dass den Vorgängern nachgetrauert werden sollte, glaubt Historikerin Christel Oldenburg zwar nicht: "Die neue Empfangshalle ist fraglos heller, belebter und zeitgemäßer. Aber sie zeigt nicht mehr den Stolz eines Bahnhofsbaus der bis 1937 noch selbstständigen Stadt, sondern reduziert Bergedorf auf einen Vorort-Halt."

Gerade deshalb sei es aber wichtig, an prominenter Stelle auf dem Vorplatz an die Geschichte zu erinnern. Immerhin war in Bergedorf 1937 der größte Hamburger Bahnhofsbau aus der Zeit zwischen den Weltkriegen entstanden.

Im Bezirksamt zuckt man derweil mit den Schultern: Es gebe weder Pläne für ein Bahnhofsdenkmal noch beabsichtige man, das Relief auf dem Vorplatz aufzustellen, hieß es gestern.