Mädchentreff

"Man hat hier immer gute Laune"

Neuallermöhe. Pinkfarbene Socken und schwarze Leggings sind angesagt: "Wieso hast du dieses Outfit gewählt?" Kichernd schauen sich die Mädchen an, bevor sie zum Tanz-Wettbewerb starten und der Jury ihre Kreativität und Ausstrahlung beweisen wollen.

Rosen und ein Schoko-Herz belohnen Assma und Tina für ihren ersten Platz, den die beiden Freundinnen sich synchron ertanzt haben.

Die Elfjährigen sind glücklich im Mädchentreff Neuallermöhe: "Man hat hier immer gute Laune und kann Freundinnen treffen", sagt Tina, deren Familie aus der Ukraine stammt. "Man hilft mir hier toll beim Lernen, und ich darf viel am Computer ausdrucken. Meine Mama kommt aus dem Iran und kann nicht so gut Deutsch", sagt Assma und lobt das Haus am Herbert-Pardo-Weg: "Meine Freundin kann sogar ihr Kopftuch abnehmen, weil hier keine Jungen sind wie in anderen Jugendclubs." Für wöchentlich 30 bis 40 Mädchen zwischen zehn und 17 Jahren ist der Treffpunkt ein wahrer Segen.

"Natürlich bangen wir auch wegen der geplanten Einsparungen", sagt Nicole Schröder (37), die das Haus seit drei Jahren leitet - und mit den Mädchen jetzt auf dem Hamburger Hachmannplatz war, um gegen Kürzungen in der offenen Kinder- und Jugendarbeit zu demonstrieren: "Wenn wir zehn Prozent weniger hätten, könnten wir unseren Mädchentreff gleich dicht machen. Schließlich müssen wir schon den Freitag schließen, weil die Fixkosten gestiegen sind", sagt die Sozialpädagogin. 1,5 Personalstellen finanziert der Trägerverein "Dolle Deerns", dazu kommen Honorarkräfte aus Russland, Indien und Afghanistan.

Mittags wird mit Lebensmitteln der Tafel frisch gekocht

Mädchen aller Länder treffen sich in Neuallermöhe: Aus dem afrikanischen Mali stammt die Familie von Fatima (14), die so gern tanzt - und sich derzeit viel auf Englisch unterhält. Noa (16) ist erst vor zwei Monaten aus Spanien nach Deutschland gezogen und freut sich, "hier nette Mädchen kennenzulernen". Und so scheint der Traum von Nicole Schröder in Erfüllung zu gehen: "Das sollen starke Frauen werden, die ihre Interessen umsetzen können."

Neben Diskussionen natürlich über höchst wichtige Klamotten- und Schmink-Fragen sind auch Lagerfeuer und Wasserschlachten angesagt, zudem wird jeden Mittag mit Lebensmitteln der Bergedorfer Tafel frisch gekocht: "Viele kommen eben hungrig aus der Schule zu uns", sagt Pädagogin Sabina Bullwinkel (47). Manche Angebote, wie etwa das Bewerbungstraining und die Volleyballgruppe, werden durch Spenden finanziert.

Am heutigen Sonnabend, 2. Juni, kann übrigens jeder zum großen Volleyball-Turnier kommen, es startet um 9 Uhr in der Sporthalle der Gretel-Bergmann-Schule.

"Meine Freundin kann hier sogar ihr Kopftuch abnehmen"

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