Jugendtheatertage

Elbphilharmonie - Symbol der Ungerechtigkeit

Und schon wieder wird der kleine Junge durch die Röhre geschoben, die ihm ein Christbaumnetz überstülpt. Erst symbolisierte es den Kindergarten, dann den Sportverein, dann die Schule.

Der Junge bekommt so viele Verpflichtungen, dass er mit seinen gefesselten Händen kaum noch spielen kann.

Mit kreativen Details wie diesem hat die Theatergruppe vom Gymnasium Bornbrook, die am Montag die Bergedorfer Jugendtheatertage eröffnete, ihren Spieltrieb gezeigt. Die Schüler der zehnten und elften Klasse brachten das Stück "Elbphilharmonie oder -disharmonie?" im Haus im Park auf die Bühne.

Die lange und bis heute populär geführte Debatte hat die Gymnasiasten in ihrem Stück Verbindungen zu vielen gesellschaftlichen Themen knüpfen lassen. Etwa den Jungen aus dem Christbaumnetz, der von seinen Eltern gefördert wird, bis er sich kaum noch bewegen kann. Oder die Klofrau, die ihre Schule nicht beendet hat und nun hofft, von den "feinen Pinkeln", den Besuchern der Elbphilharmonie, ordentlich Trinkgeld zu bekommen. Oder die Karrierefrau, die meint, ihre persönliche Leistung sei alles, was zählt. Sie alle stehen für unsere Gesellschaft und ihre Besonderheiten.

Doch immer wieder fand das Theaterstück seinen Weg zurück zur Elbphilharmonie. Die Schüler arbeiteten das Für und Wider heraus. In einem kurzen Film fragten sie sogar Passanten nach ihrer Meinung und zeigten Nachrichten-Mitschnitte zum Thema.

Bei einem so musikverbundenen Thema ließ es sich die Gruppe des Bornbrook-Gymnasiums auch nicht nehmen, die eigene Big Band auftreten zu lassen. Ein weiteres Highlight waren beleuchtete Puzzle-Teile in Paketformat, die zusammengesetzt die Skyline Hamburgs zeigten.

Als roter Faden diente der Vergleich der Elbphilharmonie mit dem Turmbau zu Babylon. Die Textauszüge aus Heinrich Heines Ballade "Belsazar" gaben dem Stück Struktur. Es geht in der Ballade um den König von Babylon, dem - wegen des erfolglosen Turmbaus - der Tod droht. Diese Struktur war nötig: Das Stück lief Gefahr, sich in den schönen Details zu verlieren.

Die Inszenierung zeigte, mit wie viel Interesse und Freude sich die Schüler mit den behandelten Themen beschäftigten. So waren sie beim Spielen sehr präsent und wirkten selbstbewusst. Auf der Bühne zu stehen schien ihnen zu gefallen. So spielten die Jugendlichen nicht nur gekonnt mit Details, auch beim Theater-Spielen zeigten sie Talent.