Kinderärzte fehlen

Bethesda kann Kindern nur Notfallversorgung bieten

Bergedorf. Der Fall junger Eltern, die sich und ihren phasenweise um Luft ringenden Säugling im Bethesda Krankenhaus nicht Ernst genommen fühlten, beschäftigt die Klinikleitung.

"Das Kind war erkennbar nicht in Gefahr zu ersticken, schrie nach Kräften", sagt Bethesda-Prokurist Thomas Newe. Doch sollten gestresste Eltern keinen Eklat in der Notaufnahme auslösen: "Die aufnehmende Kraft hat vielleicht etwas harsch reagiert, ist nicht so auf die verängstigten Eltern eingegangen, wie es gut gewesen wäre."

Das junge Paar war mit der acht Monate alten Mila samt weiteren Familienmitgliedern Samstagnacht in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) am Glindersweg gestrandet. Dort herrschte der für diese Nacht übliche Hochbetrieb. Das kleine Mädchen wurde vom Personal nach erstem Augenschein als nicht vordringlich eingestuft. Als die wartenden nervösen Eltern dann noch nach der Krankenversicherungskarte gefragt wurden, die Schwester, aus Sicht der Eltern, übermäßig darauf drängte, diese herbeizuschaffen, eskalierte die Situation.

Der Hinweis, Mila sei doch im Bethesda auf die Welt gekommen, nützte nicht. Als dann noch ein Arzt befand, es liege keine akute Gefahr vor, zudem empfahl, die Eltern sollten sich mit dem Säugling ins Kinderkrankenhaus Wilhelmstift begeben, eskalierte die Situation. Erst auf massives Drängen habe das Bethesda-Personal einen Krankenwagen für den Transport nach Wandsbek angefordert, beklagen die Eltern. Schließlich im Kinderkrankenhaus angekommen, hatte sich die Situation merklich entspannt, war die kleine Mila eingeschlafen.

"Wenn jemand schwer blutend oder mit Verdacht auf Schlaganfall oder Herzinfarkt in der ZNA landet, fragt niemand nach einer Versichertenkarte", sagt Newe. Liege kein akuter Notfall vor, hake das Personal aber nach: "Die darauf befindlichen Daten erleichtern uns die Organisation, auch der aktuell notwendigen Behandlung."

Seit das katholische Kinderkrankenhaus Wilhelmstift ein Kooperationsabkommen mit dem Bethesda gekündigt hat, verfügt Bergedorfs Krankenhaus nur noch vier Stunden am Tag über einen Kinderarzt. Zuvor war eine 24-Stunden-Präsenz vereinbart. Die vom früheren Chefarzt der Frauenklinik angestrebte Zusammenarbeit mit niedergelassenen Bergedorfer Kinderärzten ist nicht zustande gekommen. Newe: "Die Fachärzte sind in einem Kinderarzt-Netzwerk tätig. Sie schaffen dies nicht zusätzlich."