Basis-Seminar

Nachhilfe am Herd für Ernährungs-Experten

Bergedorf-West (ts). Etwa 2500 Studierende gibt es am Bergedorfer Campus der Hochschule für Angewandte Wissenschaften. 553 von ihnen studieren Ernährungswissenschaften (Ökotrophologie).

Pro Semester kommen zwischen 70 und 80 Studenten hinzu.

Das Problem: Immer weniger Studenten können von Haus aus kochen. Viele haben lediglich rudimentäre Kenntnisse über Lebensmittel. Keine guten Voraussetzungen für Leute, die später beispielsweise Ernährungsberater werden wollen. Jetzt bekommen die jungen Lebensmittelkundler an der Gewerbeschule 20 Grundkenntnisse im Kochen und der Arbeit mit Lebensmitteln von Profis vermittelt. Und das macht offenkundig Spaß.

Maike Heße (47), Köchin und Hauswirtschaftslehrerin sagt: "Das Arbeiten mit den Studenten ist wirklich eine Wohltat." Während ihr Arbeitsalltag sonst darin besteht, Schüler zu motivieren, zum Mitmachen zu bewegen, "sind die Studenten hundertprozentig bei der Sache. Da macht die Arbeit doppelt Spaß."

Die Studenten sind dankbar vor allem für Tipps und Kniffe. "Heute habe ich Blanchieren gelernt", sagt Sarah Ropers (23). Und ihr Mitstudent Enis Mullaj (20) meint: "Kochen nimmt Zeit in Anspruch. Die nimmt man sich zu Hause halt nicht immer. Da gibt es dann oft ein Fertiggericht oder irgendwas, was schnell geht." Seine Kenntnisse reichen nicht weit über die Zubereitung eines Spiegeleies hinaus, gibt der 20-Jährige freimütig zu. "Doch das ändert sich ja jetzt", sagt er und lacht.

Es geht an der Gewerbeschule (Ernährung, Arbeits- und Verkehrstechnik) am Ladenbeker Furtweg jedoch nicht nur ums Kochen. "Die Studenten lernen auch die verschiedenen Lebensmittel kennen, ihre Konsistenz und verschiedene Verwendungsmöglichkeiten", sagt die Professorin für Ernährungswissenschaften Ulrike Azevedo-Arens (63). Auch der richtige Umgang mit Gemüsehobel und Messer will gelernt sein.

"Viele kommen zu uns und können noch nicht mal Kartoffeln kochen", sagt Arens. Das werde von den Eltern eben oft nicht mehr vermittelt. "Hier an der G 20 haben unsere Studierenden fast ideale Möglichkeiten, die Praxis nachzuholen", sagt Arens.