Moosbergheim

Pflegen & Wohnen-Chef gesteht "soziale Defizite" ein

Lohbrügge. "Ja, es gibt Defizite in unseren Wohneinrichtungen. Sie liegen in der sozialen Kompetenz einiger Mitarbeiter im Umgang mit den Bewohnern und in unserer Informationskultur."

Mit diesen deutlichen Worten hat "Pflegen & Wohnen"-Geschäftsführer Johannes F. Kamm jetzt auf die Vorwürfe von drei Moosberg-Bewohnerinnen gegen das Personal des Pflege- und Wohnheims (wir berichteten) reagiert. Die Führung der Pflegen & Wohnen Hamburg GmbH ist laut Kamm seit einiger Zeit bemüht, das Personal mit Fortbildungen für die Befindlichkeiten der Kunden zu sensibilisieren: "Es darf aber nicht verschwiegen werden, dass wir in der Vergangenheit das Thema Respekt und Achtung vor den Kunden nicht genug fokussiert haben."

Die drei Bewohnerinnen hatten in der vergangenen Woche beklagt, dass sie und etwa 60 weitere Bewohner der ersten und zweiten Etage im "Haus Sande" wegen des defekten einzigen Fahrstuhls eine Woche lang in dem Moosberg-Trakt eingesperrt waren und sich in dieser Notlage vom Personal alleingelassen fühlten. Weitere Kritikpunkte waren ein respektloser und patziger Tonfall von Pflegekräften und eine unbefriedigend arbeitende Wäscherei, die graue und schlecht riechende Frischwäsche liefere.

"Tatsächlich haben wir Probleme mit unserem Auftragnehmer, einer großen Wäscherei", erklärt dazu Geschäftsführer Kamm. Zwar sei die Leistung des Unternehmens bei Bettwäsche und Arbeitskleidung sehr zufriedenstellend, bei der in kleinen Partien in Rostock gereinigten Bewohnerwäsche sei die Arbeitsqualität aber schwankend. "Mittel- bis langfristig planen wir, dafür eine hauseigene Wäscherei in Bahrenfeld einzurichten", erklärt Kamm. "Dort ist dann bessere Qualitätskontrolle möglich." Bei Störungen wie einem tagelang defekten Fahrstuhl wäre nach Kamms Worten mehr Anteilnahme mit den Nöten der Betroffenen und eine bessere Information über den Stand der Reparaturarbeiten wünschenswert gewesen: "In solchen Notlagen sollten auch kleine Aufmerksamkeiten als Entschädigung nicht fehlen."

Unterdessen gibt es neue Vorwürfe gegen das Moosberg-Pflegepersonal. Unserer Zeitung liegt ein Schreiben der an schwerer Bewegungsstörung (vererbte Ataxie) erkrankten Bewohnerin Gunda Schulze (62) vor, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist und nach den Richtlinien der Pflegestufe 2 versorgt wird. "Ich weiß, wenn das, was ich hier niederschreibe, in fremde Hände kommt, ich einen schlechten Stand hier haben werde", heißt es darin angstvoll, und: "Für mich ist es wichtig, dass ich alle vier Stunden meine Tabletten bekomme, für manche Pflegerin aber nicht. Ich muss oft klingeln, weil ich Hilfe brauche, wage es aber nicht. Morgens gegen 6 Uhr tut mir alles weh. Ich brauche doch nur eine andere Lage." Weiter beklagt sie: "Die Kranken essen oftmals mit Händen und Fingern, schmieren mit dem Essen rum, verlieren die Hose beim Gehen und kommen ohne Schuhe und mit nacktem Hintern in den Essenssaal."

Moosberg-Direktorin Kerstin Harden zeigt sich vom ersten Teil des Schreibens tief betroffen: "Es bekundet Schmerz und Verzweiflung. Ich habe sofort unseren Pflegedienstleiter informiert. Wir müssen identifizieren, welche Mitarbeiter hier gemeint sind." Die beklagten nachlässigen Äußerlichkeiten dagegen gehören für sie zum Alltag einer Station mit leicht Demenzerkrankten: "Es ist wichtig für diese Menschen, dass sie eigenständig essen und sich anziehen, aber manchmal passiert ihnen eben ein Malheur."