Kindeswohlgefährdung

"Jugendhilfe-Inspektion" als neue Kontroll-Instanz

Bergedorf (stri). Über "kryptische Antworten" und "semantische Nebelschwaden" ärgerte sich Michael Böckenholt in Bezug auf einen GAL-Antrag über die Umsetzung des Vormundschafts- und Betreuungsgesetzes:

Angesichts der bundesweiten Fallobergrenze, dass ab diesen Sommer höchstens 50 Vormundschaften pro Amtspfleger zu betreuen sind, wurde nachgefragt, ob die Stellen ausreichen.

Bergedorf betreue derzeit etwa 170 Mündel und habe 3,5 Stellen dazubekommen. "Und es scheint so zu sein, dass weitere zehn Stellen mit Asklepios-Rückkehrern besetzt werden, wir davon eine bekommen", sagte Sozialdezernentin Angela Braasch-Eggert. Ein Personalbemessungssystem gibt es indes noch nicht, somit auch keine einheitliche Regelung in den Bezirken. Um sich ein Lagebild zu verschaffen und eine zumutbare Fallbelastung zu erarbeiten, wird ein Team von Prof. Christian Schrapper von der Uni Koblenz-Landau alle Hamburger ASD-Leitungen befragen - in Bergedorf ist er am 9. Mai.

Nach dem Methadon-Tod von Chantal (11) aus Wilhelmsburg und dem sexuellen Missbrauch an einer Siebenjährigen in Steilshoop wollen die Behörden künftig genauer kontrollieren: "Es wird eine Jugendhilfe-Inspektion geben, um die Leistungen im ASD zu prüfen", sagt Braasch-Eggert, die die Idee begrüßt, "da wir viele neue Mitarbeiter haben, die wenig Arbeitserfahrung, noch wenig Intuition haben".

Wer sich an das Jugendamt wendet, muss die richtige Hilfe bekommen. Dazu gehört ein gutes Risikomanagement: "Die Liste der Familien, in denen eine hohe Wahrscheinlichkeit von Kindeswohlgefährdung besteht, weil die Eltern psychisch krank sind oder Drogen nehmen, muss regelmäßig kontrolliert werden", betont die Sozialdezernentin. Nach Chantals Tod werden Pflegeeltern auf Drogenmissbrauch untersucht, brauchen ein amtsärztliches Gesundheitszeugnis. Braasch-Eggert: "Wenn jemand Salmonellen hat, HIV oder Hepatitis, entscheidet der ASD, ob eine Pflege weiterhin möglich ist."