Kontrolle

Polizei jagt Fahrrad-Rowdys

Bergedorf (ts). Sie missachten rote Ampeln, fahren haarscharf an Passanten vorbei oder sind in der falschen Fahrtrichtung unterwegs: Die Zahl der Rad-Rüpel scheint zuzunehmen.

Hamburgs Polizei reagierte jetzt mit einer Großkontrolle: 35 Beamte stellten am Donnerstag an mehreren Hamburger Straßen binnen sieben Stunden 513 Verkehrsverstöße von Radlern fest. 217 fuhren bei Rot über die Ampel, 169 benutzten die falsche Radwegseite und 111 fuhren in Fußgängerzonen.

Auch in Bergedorf sind Rüpeleien keine Ausnahme. Der Bergedorfer Stefan Grüne erinnert sich mit Grausen an einen Familienspaziergang durchs Sachsentor. "Plötzlich flog mein sechsjähriger Sohn Nick gut anderthalb Meter durch die Luft. Gott sei Dank schlug er nicht mit dem Kopf aufs Pflaster!" Eine Radlerin hatte Nick übersehen, ihn mit hoher Geschwindigkeit gerammt. Dabei gilt im Sachsentor tagsüber für Radfahrer ein Fahrverbot. Nick hatte Glück, trug nur Prellungen davon.

Die Statistik bestätigt: Die Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt waren, haben in Hamburg im Vergleich zum Vorjahr um 13,8 Prozent zugenommen. Sicher auch, weil immer mehr Menschen auf das umweltfreundliche Verkehrsmittel Fahrrad umsteigen. Doch der Bergedorfer Chef der Verkehrspolizei, Hans-Jürgen Gäth, sieht ein grundsätzliches Problem: "Wir stellen seit Jahren eine besorgniserregende Verrohung der Sitten im Straßenverkehr fest." Radfahrer seien da keine Ausnahme.

Fußgänger Clemens Müller (23) aus Harburg bricht jedoch eine Lanze für die Radler: "Ich komme ursprünglich aus der Fahrradstadt Münster. Wenn überall die Radler solche Rechte hätten wie dort, gäbe es auch keine Probleme."