Kunstschau

Banges Zittern bis kurz vor der Premiere

Bergedorf. Beinahe wäre der Bergedorfer Kunstschau buchstäblich die Show gestohlen worden: Lichtkünstler Michael Batz, international beachtet für Installationen wie Hamburgs "Blue Goals", haderte mit seiner Zusage, das Schloss von heute an zwei Wochen zu illuminieren.

Hintergrund: Schon bei der Generalprobe am Donnerstag wurde eine seiner LED-Röhren gestohlen. Nur dem beherzten Eingreifen der Techniker ist es zu verdanken, dass der Täter gestellt werden konnte. Dem Künstler allerdings erschien Bergedorf nun als unberechenbares Pflaster. Er wollte alles abbrechen, selbst die Premiere gestern Abend geriet in Gefahr.

Dass für Bergedorf doch alles gut ausgegangen ist, liegt am Engagement der Kunstschau-Organisatoren - und am Manager des Einkaufszentrums CCB. Uwe Eigenbrod sagte spontan zu, das Schloss für die kommenden zwei Wochen in die Obhut seines Sicherheitsdienstes zu geben. Rund um die Uhr sind die Mitarbeiter nun stündlich am Bergedorfer Wahrzeichen. Auch die Polizei will mehr Streifengänge machen.

Das Engagement hat Michael Batz überzeugt: Gestern Abend feierten mehr als 100 Gäste im künstlerisch-festlich illuminierten Schloss. Was es dort auf zwei Etagen an Kunstschau-Exponaten zu sehen gibt, ist mit seinem Ideenreichtum, technischer Akkuratesse und abwechslungsreicher Anordnung ausgesprochen sehenswert. Sei es Sabine Reyers Installation "Zufluchten + Details" mit 100 in Reih' und Glied marschierenden, pechschwarz verschleierten Musliminnen oder Christiane Lüdtkes skurril geformter "Machtstuhl" - in jedem Winkel, an jeder Wand lauert eine Überraschung.

In der "Herz"-Gemäldeserie von Anja Es beeindruckt besonders "das kalte Herz", das sie mit dem Pinsel nahezu fotorealistisch in einem Kühlschrank-Regal platziert hat. Mathias Meinel hat mit "Elbhochwasser", "Billwerder" und "Wassergraben" der Marschländer Heimat schroffdüstere Liebeserklärungen gemacht. Die Kunstschau ist dienstags bis donnerstags von 11 bis 17 Uhr, am Wochenende von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt ins Schloss: 3,50 Euro.

Insgesamt 59 Künstler zeigen bis zum 6. Mai eine Auswahl ihrer Werke. Die Kunstschau läuft aber nicht nur im Schloss. Auch die Mühle, Chrysanderstraße 52a, das Künstlerhaus Bergedorf am Möörkenweg 18 b-g und die Ateliers im Bahnhof Bergedorf-Süd, Neuer Weg 39, gehören dazu und sind geöffnet.