Ausstellung

"In Hamburg habe ich meine Jugend gelassen"

Bergedorf (voe). "Nie mehr schweigen, wegsehen, wie und wo auch immer Antisemitismus, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit hervortreten. Erinnern heißt handeln!" Das sind Worte der Vorsitzenden des Auschwitz-Komitees, Esther Bejarano.

Sie schrieb sie in einem offenen Brief an Ex- Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel, nachdem die Morde der NSU-Terrorzelle publik geworden waren. Es war kein Zufall, dass Andrea Schlicht von der Arbeitsgemeinschaft (AG) Gedenken genau dieses Zitat wählte, um die "Woche des Gedenkens" in der Stadtteilschule Bergedorf zu eröffnen: "Wir werden häufig gefragt, warum wir die Erinnerungen an die Nazi-Gräuel vehement aufrecht erhalten. Ich glaube, Esther Bejarano hat dazu alles gesagt."

31 Veranstaltungen thematisieren noch bis zum 29. April die nationalsozialistische Vergangenheit und Neonazi-Aktivitäten bis in die Gegenwart. Ein Schwerpunkt liegt jedoch auf dem Thema Zwangsarbeit.

"Mitten in unserer Stadt gab es Zwangsarbeiter-Lager. Doch kaum ein Bergedorfer weiß das", mahnte Christoph Mallok. Der Vorsitzende der Bezirksversammlung dankte allen Organisatoren, die Zwangsarbeit zu einem Schwerpunktthema gemacht haben. Der pensionierte Pädagoge betonte, wie wichtig Aufklärung sei. "Als ich 1970 meine politische Arbeit in der Bezirksversammlung aufnahm, musste ich etwa noch darüber diskutieren, ob auf dem Gelände des ehemaligen KZ Neuengamme Gefängnisse existieren durften oder nicht. Das wäre heute undenkbar."

"In Hamburg habe ich meine Jugend gelassen" heißt die neu eröffnete Wander-Ausstellung in der Stadtteilschule. Fotos, Forschungs- und Zeitzeugenberichten dokumentieren, wie die überwiegend polnischen und russischen Männer und Frauen ihre Arbeitsdienste verrichten mussten. Zwischen 1939 und 1945 gab es fast 1500 Zwangsarbeiter-Lager in Hamburg.

Leider kam die Historikerin Frederike Littmann entgegen ihrer Zusage doch nicht zur Ausstellungseröffnung. Littmann hat die Ausstellung mitkonzipiert und wollte Details erläutern. So musste sich die Neu-Bergedorferin Bettina Fox mit den Exponaten an der Stellwand begnügen, etwa Fotos des ehemaligen Konzentrationslagers Neuengamme.

"Die 'Woche des Gedenkens' ist eine gute Aktion, die mein Interesse an meinem neuen Wohnort nur steigert", sagte Fox. Dass die Eröffnung der Woche und der Ausstellung in ihrer Schule stattfanden, sieht Schulleiterin Renate Nietzschmann als nur logisch an: "Es ist wichtig, dass gerade die junge Generation weiß, was in ihrer Umgebung alles geschehen ist. Wir fördern diese Auseinandersetzung schon seit Jahren, beispielsweise mit Projektwochen zum Holocaust."