Probebetrieb

"Auch Fahrräder brauchen Freunde"

Bergedorf. 40 Bergedorfer, die sich schon vor eineinhalb Jahren anmeldeten, als die 1,1, Millionen Euro teure Radstation am Bergedorfer Bahnhof fertig sein sollte, dürfen nächste Woche den Probebetrieb starten:

Sie können ausprobieren, wie lange die Registrierung für den Chip (zwölf Euro Pfand) dauert, ob die Schließfächer für Regenkleidung und Helme praktisch sind, ob die Öffnungszeiten des Shops zwischen 6 und 20 Uhr sinnvoll sind oder auch, ob die Beleuchtung - nachts über Bewegungsmelder - für ein sicheres Gefühl sorgt.

Am 25. April schließlich, wenn um 11 Uhr der Staatsrat der Verkehrsbehörde und der Bezirksamtsleiter zur offiziellen Eröffnung kommen, soll alles picobello sein. Natürlich wünscht sich Projektleiter Stefan Clotz von der Betreiberin HAB Service Gesellschaft, dass bald alle 500 Stellplätze belegt sind, am liebsten mit Jahresabonnenten, die zum Start nur 80 statt 120 Euro zahlen. Einige Firmen, wie etwa die Stadtreinigung, haben bereits angefragt, ob sie Betriebsräder unterstellen können. "Aber auch jeder, der bloß einen Tag die Radstation für einen Euro nutzt, ist willkommen", sagt Clotz.

Heute begrüßt er erst einmal die Datenschutzbeauftragte, die alle sechs Videokameras inspiziert und prüft. Die Aufnahmen können drei Monate lang gespeichert werden, um sie im Falle von Straftaten auszuwerten.

Die ersten beiden von künftig zehn Mitarbeitern haben bereits angefangen: Marita Fries (47), die bislang in Bremen eine Schlecker-Filiale leitete, wird den Shop der Radstation betreuen, wo auch Fahrradöl, Luftpumpen und Klingeln verkauft werden, zudem gibt es Sattelschoner mit dem Slogan "Auch Fahrräder brauchen Freunde". Die 47-Jährige, die übrigens noch in Bergedorf eine Zwei-Zimmer-Wohnung sucht, wird auch 30 Leih-Räder ausgeben, davon zehn E-Bikes. Zudem können neue Fahrräder gekauft werden: Fünf verschiedene Marken werden angeboten, die innerhalb von zwei Tagen geliefert werden können.

Wer sein altes Rad liebt, kann es aber auch einfach reparieren lassen: Stefan Remmer hat sich nach einem Rückenleiden vom Kaufmann zum Zweirad-Mechaniker ausbilden lassen. "Ich kann Ritzel tauschen, Hydraulikbremsen entlüften, die Beleuchtung und eine Schaltung reparieren", sagt der 43-Jährige, der für besonders eilige Aufträge rote Karten an die Räder hängt: "Dann ist der Reifen aufgepumpt, wenn die alte Dame vom Marktbummel zurück ist", sagt Remmer, der sich auch gern über die Schulter schauen lässt, etwa am 15. Mai bei der "Schraubernacht" vor Vatertag.