Bürgerpreis Bergedorf

Seele des Flohmarkts für Bedürftige

Bergedorf-West. Irmgard Wendt ist Multitalent und wichtiger Teil des gut funktionierenden Netzwerks in Bergedorf-West.

Und sie ist die letzte Kandidatin für den diesjährigen Bürgerpreis, der alljährlich von Volksbank Stormarn und Bergedorfer Zeitung ausgelobt wird. Lange war Irmgard Wendt auch im Kirchenvorstand aktiv, hat sich zudem als Beisitzerin für den Stadtteiltreff Westibül engagiert. Mit 65 Jahren fiel ihr Entschluss, ihr ehrenamtliches Engagement auf einen "Flohmarkt" zu konzentrieren.

Der hat so gar nichts mit Handel und Gefeilsche unter freiem Himmel zu tun: Zwei Tage die Woche verkaufen Irmgard Wendt und ihre Mitstreiterinnen im Haus Christo Bekleidung, Bettwäsche und Haushaltswaren, Geschirr und Bücher, aber auch Spiele und Modeschmuck zugunsten Bedürftiger. Um Lisa Bähr, Marianne Harre, Monika Maureschat und eben Irmgard Wendt hat sich ein Kreis engagierter Frauen plus ein Mann versammelt. Vor zehn Jahren haben einige begonnen, den Flohmarkt vis-à-vis des Einkaufzentrums mit Engagement und großer Ausdauer aufzubauen.

"Es ist wichtig, dass die Fäden an einer Stelle zusammenlaufen", sagt Monika Maureschat und schiebt einen Stapel Bücher zurecht. "Irmgard reißt alle mit, wenn es mal klemmt", betont Marianne Harre, während sie im größten Raum des Hauses Christo Jacken, Hosen und Blusen auf einen Kleiderständer hängt. "Sie sorgt mit ihrem Organisationstalent dafür, dass der Flohmarkt weiter Erfolg hat", lobt Gründerin Lisa Bähr (81), die das Projekt vor zehn Jahren angeschoben hat.

"Zunächst sollte es ein Café als Treffpunkt werden, angefangen hat es dann aber mit mehreren Kartons Büchern und der Idee für einen Tauschring", erinnert sich Irmgard Wendt schmunzelnd. Bald brachten immer mehr Menschen Dinge, die verkauft werden konnten. "Zuerst haben wir den Flohmarkt nur donnerstags aufgebaut, inzwischen ist er auch freitags." Das Interesse ist ungebrochen, "inzwischen könnten wir jeden Tag öffnen", sagt die Mutter eines erwachsenen Sohnes, die seit gut 45 Jahren mit ihrem Mann in Bergedorf-West lebt.

Die Flohmarkt-Vorbereitungen sind zeitaufwendig. Das Team teilt sich den größten Raum im Haus Christo unter anderem mit dem Jugendtreff, Pro Familia und den Anonymen Alkoholikern. "Mittwoch bauen wir zwei bis drei Stunden auf, Freitag dann mittags wieder ab", erläutert Marianne Harre. Etwa 200 Kunden schauen an den beiden Tagen herein, viele regelmäßig. Es werden immer mehr.

Viele bringen auch Dinge für den Verkauf vorbei, bleiben einen Moment für einen kurzen Plausch und einen Kaffee. Seit einigen Wochen bietet das Flohmarktteam einen neuen Service: In einem Nachbarraum ist ein Flohmarkt-Café mit eigener kleiner Küche entstanden.

Manche "Westler" geben ihre Ware auch bei Irmgard Wendt an der Wohnungstür ab. "Häufig sieht es bei uns wie in einem Warenlager aus. Mein Mann findet das inzwischen gut und hilft, bringt etwa Bekleidung zum Roten Kreuz." Eine Mitstreiterin lagert Ware in einer Garage.

Mit Monika Maureschat bewältigt Irmgard Wendt auch Haushaltsauflösungen. An Nachschub für den Flohmarkt wird weiterhin kein Mangel sein - eher schon an Lagerraum.

Wer Ware für den Verkauf spendet oder zu günstigen Preisen im Haus Christo kauft, tut Gutes. Der Erlös fließt über die evangelische Kirchengemeinde Bergedorfer Marschen an Bedürftige. Einem jungen Mann, dem seine Krankenkasse einen Elektrorollstuhl verweigert hatte, halfen die Flohmarkterlöse ebenso wie einer jungen Mutter, die ohne Ausstattung für ihr Neugeborenes war. Eine Familie mit einem behinderten Kind erhielt Geld für eine teure Delfin-Therapie, ein Mann Geld für eine Spezialbrille.

"Es ist schön, Menschen helfen zu können", sagt Irmgard Wendt, während sie einer Kundin hilft, ein gerade erstandenes Kaffee-Service bruchsicher zu verstauen. "Manche leben im Überfluss, viele spenden Ware. Andere haben nicht mal das Nötigste."

"Inzwischen könnten wir den Markt jeden Tag öffnen."

Irmgard Wendt