KulturForum

"Bergedorfer Lösungen" für die Jugendarbeit gesucht

Bergedorf (stri). Jugendclubs und Mädchentreffs bangen weiter, denn der Senat will bei Hamburgs offener Kinder- und Jugendarbeit zehn Prozent einsparen. Die Fraktion Die Linke hatte jüngst in der Bürgerschaft beantragt, die Kürzungen zurückzunehmen.

GAL und FDP enthielten sich, während CDU und SPD mehrheitlich dagegen stimmten.

Der Sparzwang löst immer neue Gedankenspiele aus, auch in Bergedorf, wo bislang jährlich 1,5 Millionen Euro in die offene Kinder- und Jugendarbeit fließen, 29 Einrichtungen gefördert werden: Erst war von 150 000 Euro Minus die Rede, dann von 230 000, inzwischen rechnet Jugenddezernentin Angela Braasch-Eggert mit "etwa 290 000 Euro, das ist viel Geld". Eine Stellungnahme gebe es dazu nicht, erst wenn dem Jugendhilfeausschuss Ende Mai ein Gesamtkonzept vorgelegt werde.

So lange wollen Bergedorfs Jugend-Politiker nicht warten und laden für morgen, 19.30 Uhr, zu einer Podiumsdiskussion im KulturForum an der Serrahnstraße ein. Fünf Fachleute werden über kooperative Trägerkulturen sprechen, über die Betreuung in Ganztagsschulen und über "Bergedorfer Lösungen".

Ein Dorn im Auge sind vielen Experten die drei Buchstaben SHA: Gut zehn Millionen Euro will der Senat zeitgleich in so genannte "sozialräumliche Hilfen und Angebote" stecken. Das sind niedrigschwellige Hilfen, etwa Erziehungsberatung, Gesundheitsvorsorge und Sozialarbeit.

"Diese SHA-Projekte sind ein ergänzendes Angebot für ein besonderes Klientel. Aber wenn die Infrastruktur geschwächt wird, entfällt dafür die Basis", kritisiert Michael Böckenholt (GAL), der das Jugendzentrum Vierlande leitet. Er schlägt vor: "Wenn die 15 Millionen Euro für das Bildungspaket nicht abgerufen wurden, sollte man einen Teil in die Jugendarbeit stecken."

"Wir müssen auf jeden Fall Projekte schließen. Ich könnte mir SHA-Projekte und das Mobilo vorstellen oder das Jugendzentrum am Kurt-Adams-Platz, wo so viele Einrichtungen sind", wagt sich Christdemokrat Georg Schumacher hervor, der zu Kooperationen mit Schulen rät. Man sollte eher auf neue SHA-Projekte verzichten und die bestehenden, gut akzeptierten Häuser schützen, meint indes Anja Gehrcke, die als Vertreterin im Jugendhilfe-Ausschuss (JHA) sitzt. Beruflich ist sie kaufmännische Leiterin von "Gangway", einem Verein für Segelschiffpädagogik, der sich um die Integration von Jugendlichen bemüht.

"Die Ganztagsschule ersetzt kein Jugendzentrum", ist Paul Kleszcz (SPD) sicher. Nach einem Gespräch mit dem Staatsrat betont der JHA-Vorsitzende, dass es "wichtig ist, dass die Bezirke selbst über ihre Töpfe entscheiden können".

Einen weitaus größeren Topf wünscht sich sein Stellvertreter im Ausschuss, Stefan Thomsen: "Wir sollten die Schuldenbremse nicht in die Verfassung aufnehmen. Es wäre eine Katastrophe, wenn die Länder nichts mehr über Kredite finanzieren dürften. Bei einem privaten Hauskauf ist ein Kredit doch auch völlig normal." Nicht zuletzt sei die Kinder- und Jugendarbeit eine Investition in die Zukunft, die sich sicher auszahlen werde, so Thomsen.

"Ich könnte mir vorstellen, das Mobilo oder das Jugendzentrum am Kurt-Adams-Platz zu schließen." Georg Schumacher (CDU)

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