Dialog der Kulturen

Integration lebt vom Mitmachen

Bergedorf. War es der Austausch in der Nachbarschaft, der den ersten "Dialog der Kulturen" bestimmte, so wird sich am Sonnabend, 21. April, alles um Elternarbeit in Kitas und Schulen drehen. Bergedorfs Integrationsbeauftragter Jorge Birkner hofft darauf, dass der Spiegelsaal an der Wentorfer Straße 38 zwischen 15 und 18 Uhr gut besucht ist: Immerhin jeder dritte Bergedorfer hat fremdländische Wurzeln.

"Eltern werden aktiv für die Bildung ihrer Kinder" ist das Thema einer Podiumsdiskussion, an der sich der afghanische Elternrat ebenso beteiligt wie "Unternehmer ohne Grenzen" und Vertreter aus Bergedorfer Kitas und Schulen. Die Moderation übernimmt der türkische Elternbund und das Bildungsmanagement "Lernen vor Ort". Latifa Kühn, Beraterin für interkulturelle Kommunikation, referiert eingangs über Elternarbeit. Der Eintritt ist frei, Dolmetscher stehen bereit.

Dass sich Hamburgs Migranten gut an Stadtteilfesten und sozialen Projekten beteiligen, sogar sechs Prozent der ehrenamtlichen Schöffen ausländische Wurzeln haben, ist Ergebnis einer Studie, die die Hansestadt mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Auftrag gegeben hat. Das beauftragte Institut für Stadtforschung und Strukturpolitik in Berlin hat jedoch auch herausgefunden, dass eine dauerhafte Einbeziehung in Quartiers- und Stadtteilgremien bislang wenig erfolgreich war, sich hier nur wenig der insgesamt 500 000 Menschen mit Migrationshintergrund beteiligen. Sie schwärmen indes vom "Hamburger Integrationsbeirat", der den Senat berät.

"Auch die Arbeit der Referenten für Integration im Sozialraummanagement wird in der Studie lobend hervorgehoben", betont der Senat - doch gerade diese Arbeit ist gefährdet: Wahrscheinlich wird der "Dialog der Kulturen" ein letztes Projekt sein, das der gebürtige Brasilianer Jorge Birkner für den Bezirk planen durfte.

Wie berichtet, läuft seine auf zwei Jahre befristete Stelle Ende Juni aus, will die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration nur eine Anschubfinanzierung geleistet haben. Tatsächlich hatten vier Bezirke die Stellen in der öffentlichen Verwaltung umgenutzt, drei Bezirke jedoch, darunter Bergedorf, hatten die Posten extern besetzt und müssen eine Weiterfinanzierung selbst leisten.

Doch in Bergedorf werden - trotz deutlichem Votum in der Bezirksversammlung - die Schultern gezuckt: "Wir können uns die Stelle nicht leisten. Wir haben kein Geld und sind ratlos", sagt Sozialdezernentin Angela Braasch-Eggert, die 2013 ein "erhebliches Defizit durch die Konsolidierung" erwartet, schließlich seien im Rathaus mindestens 30 Stellen einzusparen.

Harburg ist noch unsicher: "Wir suchen nach einer internen Übergangslösung, schließen uns aber der gemeinsamen Initiative der Bezirksämter an, um die Sozialbehörde zu überzeugen, dass die Stellen nicht einfach auslaufen dürfen", sagt Harburgs Rathaussprecherin Petra Schulz. "Es wird noch verhandelt. Ich gehe davon aus, dass im Mai eine Entscheidung getroffen wird, ob es in den Bezirken Integrationszentren geben soll", antwortet Nicole Serocka von der Sozialbehörde.

Die Betroffenen jedenfalls wundern sich, denn "eigentlich wurde mir immer signalisiert, wie wichtig meine Arbeit sei und dass ich schon irgendwie weitermachen könnte", sagt Birkner enttäuscht. Der Familienvater muss sich nun wohl einen neuen Job suchen.

"Wir haben einfach kein Geld und sind ratlos."

Angela Braasch-Eggert Sozialdezernentin