"Robin Hood" im Haus im Park

Die klassische Heldensaga charmant interpretiert

Bergedorf. "Wurden Sie schon ausgeplündert?", richtet Hofdame Charlotte das Wort an einige Zuschauer hinten links. Die übrigen Schauspieler gehen im halbvollen Saal umher und nehmen dem Bergedorfer Publikum "europäische Goldtaler" ab. Was um alles in der Welt ist geschehen im Haus im Park?

Dem Ensemble des Altonaer Theaters gelang es am Mittwochabend, den Zuschauern nicht nur etwas Kleingeld, sondern auch den Atem zu rauben. Ersteres für die Hamburger Tafel. Letzteres für eine großartige Aufführung von "Robin Hood".

Die Legende des britischen Helden dürfte jedem ein Begriff sein, der einmal mit Pfeil und Bogen gespielt hat. Der enteignete Adlige Robin von Locksley sammelt aus Protest gegen Prinz Heinrich II ein paar Gesetzlose um sich und beginnt ein Leben als Vogelfreier im Sherwood Forest. Mit der Zeit hilft er nicht nur den Armen und bereitet die Wiederkehr König Richards vor, sondern wirft auch ein Auge auf Lady Marian. Die ist allerdings schon dem Sheriff von Nottingham versprochen, und so entbrennt ein Kampf um Liebe, Macht und Freiheit.

Aus diesem Material schmiedet Regisseur Malcolm Ranson eine Inszenierung, die ziemlich genau zwischen einem Jackie-Chan-Film und Monty Pythons ironischer Komödie "Die Ritter der Kokosnuss" ihresgleichen sucht. Schon die zweite Szene nutzt der bekannte Kampfchoreograf, um eine Kostprobe seiner geschickt einstudierten Fechtszenen zu geben. Auch im weiteren Verlauf des Abends kommen Liebhaber von Action-Szenen nicht zu kurz: Immer wieder dreschen die Darsteller mit Gebrüll und Gejaule aufeinander ein. Pazifistische Gemüter können sich dagegen an den gewitzten Dialogen (Textfassung: Axel Schneider) und dem wohl portionierten Schuss Selbstironie erfreuen, der dem Stück eine charmante Note gibt.

Vielleicht war das Ensemble aber auch von der entspannten Atmosphäre des Hauses im Park zu einer besonders lockeren Interpretation der Heldensaga inspiriert. Keine Zuschauerreihe im großen Saal war voll besetzt, einige ganz leer.

Am heutigen Freitag, 20 Uhr, wird die Bühne am Gräpelweg 8 ein zweites Mal in das grüne Licht der britischen Wälder getaucht. Dann sind die Ränge möglicherweise ein wenig dichter besetzt. Wer den Weg ins Theater findet, kann sich auf einen geselligen Abend für die ganze Familie freuen.