Mobiles Kinderprojekt

Facebook-Aufruf "Rettet das Mobilo"

Lohbrügge. Welche Jugendeinrichtung wird bluten müssen? Seitdem der Senat vom Bezirk fordert, die offene Kinder- und Jugendarbeit um zehn Prozent - mindestens 150 000 Euro - zu kürzen, "haben alle Bange, dass sie dran sind - vom Juzena bis zu den Mädchentreffs", sagt SPD-Politikerin Katja Kotzbau, die im Jugendhilfe-Ausschuss sitzt.

Erste Einschnitte erfährt jetzt das "Mobilo", das mobile Kinderprojekt der Awo am Kurt-Adams-Platz. Das Jugendamt hat dem Träger schriftlich nahe gelegt, eine von zwei Stellen zu kürzen, sich künftig nur noch auf mobile Angebote zu konzentrieren, also die Lohbrügger Spielplätze zu besuchen. Damit bangt Andrea Scheler, die seit 18 Jahren beim "Mobilo" Acht- bis 14-Jährige betreut, um ihren Job.

Derzeit unterstützt der Bezirk das "Mobilo" mit 119 634 Euro. "Die weitere Förderung ist fachlich geboten", hieß es noch im Zuwendungsbericht. Eine Schließung "wäre eine Tragödie, ich habe der Einrichtung viel zu verdanken", meldet sich jetzt der 22-jährige Patrick Stark, der als kleiner Junge hier viel gebastelt, gekocht und gespielt hat, auch Hausaufgabenhilfe bekam und sich über Ausflüge freute. "Rettet das Mobilo", heißt sein Aufruf im sozialen Netzwerk Facebook, denn Patrick Stark fürchtet, dass die Lohbrügger Kinder sonst "auf der Straße rumgammeln".

"Wir werden nicht kampflos aufgeben. Nach nur fünf Tagen haben wir schon 216 Mitglieder bei der Aktion", freut sich auch Mariska Schubert. Die Mutter zweier Töchter (15 und zehn Jahre) fordert ehemalige "Mobilo"-Besucher und und deren Eltern auf, Texte über die Bedeutung der Einrichtung zu schreiben. Zudem will sie Unterschriften sammeln und den Jugendhilfe-Ausschuss anschreiben.

Naturgemäß ruhiger nimmt dazu Sven Dahlgaard Stellung: Bergedorfs Sozialraummanager sieht sein Schreiben an die Awo "als Vorschlag, wir sind weit weg von einer spruchreifen Entscheidung und werden erst im Mai dem Ausschuss berichten". Aber man wolle rechtzeitig informieren, damit Mitarbeiter gekündigt oder umgeschichtet werden können.

Das sei löblich, meint zwar Thomas Inselmann, Bereichsleiter Jugend im Awo-Landesverband, aber "das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, es wurden sicher mehrere Träger angeschrieben". Wohl aber wundere er sich, dass ihm gleichzeitig vorgeschlagen wurde, die halbe Personalstelle für den Awo-Jungentreff am Billebogen aufzustocken: "Richtig gespart ist dann also nicht, eher umverteilt."

Bergedorfs Jugenddezernentin Angela Braasch-Eggert reagiert entsetzt: "Das sollte doch alles nicht nach außen gehen, es handelt sich um rein interne Überlegungen." Zwar gebe es am Kurt-Adams-Platz mit Spielhaus, "Mobilo" und Jugendzentrum KAP tatsächlich viele Angebote, aber "wir wollen keine Panik stiften".

© Bergedorfer Zeitung 2019 – Alle Rechte vorbehalten.