Standesbeamtin

3500 Ehen gehen auf ihr Dienstkonto

Bergedorf. Sie ist während eines Vierteljahrhunderts zu Bergedorfs aktivster Kupplerin herangewachsen: Etwa 3500 Ehen hat Standesbeamtin Brigitte Buck (65) seit 1988 geschlossen. Am Freitag geht die geborene Wentorferin nach einem erfüllten Berufsleben in den Behörden des Bezirks in den Ruhestand.

"Nur noch drei Trauungen, und dann ist Schluss. Das fühlt sich schon ein bisschen merkwürdig an", sagt Brigitte Buck. Noch merkwürdiger, genauer gesagt mulmig war ihr bei ihrer allerersten Trauung vor mehr als 24 Jahren. "Da haben mir richtig die Knie geschlottert", gibt sie heute zu, "ich dachte immer nur: Hoffentlich vergisst du nichts Wichtiges, und hoffentlich verhaspelst du dich nicht. Natürlich hat auch das Brautpaar meine Unsicherheit gespürt." Monate später traf sie den Bräutigam auf der Straße, und der meinte nur: "Frau Buck Sie haben uns richtig leid getan."

Derlei Anlaufschwierigkeiten waren schnell überwunden. Die damals 41-jährige Beamtin, zuvor im Meldeamt und dann als Personalratsvorsitzende tätig, arbeitete sich schnell in ihr neues und vielfältiges Aufgabengebiet ein. "Es heiraten ja die unterschiedlichsten Leute", beschreibt Brigitte Buck. "Studenten, Aussiedler, Polen, Russen, Türken - und jedes Mal werden andere Dokumente gebraucht, müssen unterschiedliche Voraussetzungen erfüllt werden."

Was hat sie den frisch getrauten Paaren am häufigsten auf den Weg gegeben? "Eheleute sollten gleichzeitig beste Freunde sein", sagt die Standesbeamtin, "das ist längst nicht für jeden selbstverständlich. Viele Menschen gehen doch mit ihrem Ehepartner um, wie sie es mit einem Freund niemals tun würden." Für ihre Arbeit sei es sehr hilfreich gewesen, dass sie selbst seit rund 30 Jahren glücklich und harmonisch verheiratet ist. Von ihrem Produkt Ehe war Brigitte Buck stets persönlich überzeugt.

"Wir Standesbeamten sind für die schöne Seite des Lebens zuständig", sagt sie - und weiß doch sehr genau, dass ihr emotionales Aufgabenfeld auch Schattenseiten hat. Sie hat in ihrer Amtsstube schon viele Frauen und auch Männer weinen sehen, etwa wenn Eheschließungen abgesagt werden, weil der Partner untreu war. Mehrmals hatte sie auch traurige Einsätze in Krankenhäusern, wo Sterbende ihre langjährigen Partner noch in letzter Minute ehelichen wollten.

Manchmal in all den Jahren hat Brigitte Buck auch ihren Zuständigkeitsbereich überschritten und Heiratswilligen bei der Anmeldung vorsichtig abgeraten. "Da war diese Frau, deren zwei Ehen mit Alkoholikern bereits gescheitert waren. Und nun kam sie weder mit einem an, der offensichtlich alkoholkrank war. Daraufhin habe ich sie mir beiseite genommen und gefragt, ob sie sich ihre Entscheidung auch gut überlegt hat." Oder der weit über 70-Jährige, der Eine 20-Jährige heiraten wollte. "Den habe ich gefragt, ob ihm klar ist, dass sie vermutlich regelmäßig ohne ihn auf die Piste gehen wird."

Die sommerlichen Hochzeiten im Bergedorfer Schloss waren stets ihre Lieblingsveranstaltungen. Und natürlich die Eheschließungen auf Heiko Buhrs Fahrgastschiffen auf den Wasserläufen der Vier- und Marschlande. "Vor langer Zeit sollte ich sogar ein Taucher-Paar unter Wasser trauen. Hätte ich auch gern gemacht, aber Eheschließungen an ungewöhnlichen Orten waren damals nur in Ausnahmefällen genehmigt. Damals habe ich mich allerdings gefragt, wie das unter Wasser eigentlich gehen soll: Einmal blubb heißt ja, zweimal blubb heißt nein?"

Die Arbeit wird ihr fehlen, weiß Brigitte Buck. "Ich freue mich zwar aufs tägliche Ausschlafen, aber ich habe so gar kein Lebensabend-Gefühl. Ich denke immer, jetzt kommt ein Jobwechsel."

"Ehepartner sollten gleichzeitig beste Freunde sein." Brigitte Buck, Bergedorfer Standesbeamtin seit 24 Jahren