Erfolgsrezept

Große Namen und politische Unabhängigkeit

Bergedorf (he). Dass der Bergedorfer Gesprächskreis sich über Jahrzehnte bewährt hat, hat viele Gründe:

Neben Grundsätzen wie Vertraulichkeit und miteinander statt übereinander zu reden, zählt sicher auch die Beharrlichkeit der Macher dazu, ihn frei von politischer Fremdbestimmung zu halten.

Der Gesprächskreis-Koordinator der ersten Jahre, Gerhard Böhme, erwies sich als überaus beharrlich, wenn es darum ging, Einflussnahme abzuwehren. Auch seine Nachfolger, etwa der Bergedorfer Horst Rödinger, achteten streng darauf. So gelang es immer wieder, Menschen zusammenzubringen, die sich in der Öffentlichkeit kaum zusammen gezeigt hätten.

Die Liste der Teilnehmer liest sich tatsächlich wie ein Who is who der deutschen und internationalen Politik. Willy Brandt, Helmut Schmidt, Hans-Ulrich Klose, Walter Scheel, Kurt Biedenkopf, Norbert Blüm und Kohl-Berater Horst Teltschik trafen dort auf Menschen wie den US-Sicherheitsberater Henry Kissinger und Moskauer Sicherheitspolitiker. Oder auf den späteren sowjetischen Deutschlandbotschafter Valentin Falin sowie namhafte Mitglieder der Politbüros oder der ZK der damaligen Ostblock-Staaten oder auch der Volksrepublik China. Politiker und Wirtschaftsführer stellten sich der Diskussion mit Querdenkern und Publizisten wie dem Zukunftsforscher Hoimar von Ditfurth, Zeit-Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff oder Wiener Atomwaffenkontrolleuren.

Die Brennpunkte der Welt haben sich heute in den Nahen Osten und nach Asien verschoben. Der Gesprächskreis hat manche Entwicklung, wie schon in der Vergangenheit, vorweg genommen: Die Demokratisierung arabischer Staaten oder die Gefahren wachsender Konflikte am Persischen Golf haben Gesprächskreise bereits thematisiert, bevor sie akut wurden, etwa die Gewalt in Syrien.