Buchmesse

Französisch ist ihre große Leidenschaft

Neuallermöhe/Lohbrügge (tv). Als Gesandte der Stadt Hamburg bei der Leipziger Buchmesse aufzutreten, "das fühlt sich schon sehr besonders an", sagt Pauline Heinrich.

Die 17-jährige Gymnasiastin aus Neuallermöhe verleiht morgen in Leipzig als Jury-Mitglied gemeinsam mit 15 Schülern der anderen Bundesländer einen Literaturpreis an einen französischen Jugendbuchautor. Der "prix des lycéens allemands" des Institut Francais wird jährlich von Oberstufenschülern aus deutschen Französisch-Schwerpunktklassen vergeben. Dafür trifft das Institut Francais zunächst eine Vorauswahl von vier aktuellen Jugendbüchern, den Preisträger ermitteln dann die Schüler in ausführlichen Diskussionen - natürlich auf Französisch.

"Bei uns im Gymnasium Lohbrügge haben zehn Mädchen aus der elften und zwölften Klasse mitgemacht", erzählt Pauline. "Unser Buchfavorit war ,Blog' von Jean Philippe Blondel. Darin geht es um einen Vater, der den Internet-Blog seines Sohnes gelesen hat. Als Entschädigung dafür gibt er dem Jungen seine früheren Tagebücher zu lesen, und auf diese Weise lernen sie sich erst richtig kennen."

Mit diesem Ergebnis traf sich Pauline in Hamburg mit acht Vertretern anderer Hamburger Schulen, und auch diese Hamburg-Jury diskutierte die Buchauswahl, mit dem neuen Resultat: Das Buch "Le temps des miracles" (Die Zeit der Wunder) ist Hamburgs Favorit. Die Autorin Anne-Laure Bondoux erzählt darin die Geschichte eines Jungen aus dem Kaukasus, dessen leibliche Mutter sich als seine Ziehmutter ausgibt, um ihm als angeblich französischem Kind später ein besseres Leben in Frankreich zu ermöglichen. Wenn Pauline am heutigen Mittwoch in Leipzig mit den Jury-Mitgliedern der anderen 15 Bundesländer zusammentrifft, muss sie diesen Buchtitel argumentativ vertreten. Der mit 4000 Euro dotierte Preis wird dann morgen an den ausgewählten Autor vergeben.

Für Pauline Heinrich wird das Leipziger Abenteuer nicht die letzte aktive Begegnung mit französischer Kultur und Sprache sein. "Französisch ist mein Lieblingsfach", sagt sie, extra wegen der Französisch-Profilklasse wechselte sie im vergangenen Jahr vom Gymnasium Allermöhe nach Lohbrügge. Seit einem zehnwöchigen Schüleraufenthalt im südfranzösischen Toulouse beherrscht sie die Sprache fließend und möchte auch in Frankreich studieren: "Nur für immer leben will ich dort nicht. Denn das Schulsystem finde ich hart und ungerecht. Das will ich später meinen Kindern nicht zumuten."