Unikat

St.-Petri-und-Pauli-Modell in der Kirche nicht willkommen

Bergedorf. Es ist ein Traum aus Holz im Maßstab 1:50, der jetzt im Schaufenster der Weinhandlung von Have steht: Die Kirche St. Petri und Pauli, exakt nachgebaut mit 90 Zentimeter hohem Turm und kompletter Inneneinrichtung zum Herausnehmen.

Im Altar findet sich sogar eine fünf mal fünf Millimeter kleine Bibel, auf deren winzigen Seiten jeweils das ganze Vaterunser abgedruckt ist - in 14 verschiedenen Sprachen.

"Die Miniaturausgabe habe ich im Guttenberg-Museum gekauft. Der Rest der Kirche ist ein Unikat", sagt Herbert Holland nicht ohne Stolz. Der 74-jährige Lohbrügger gehört zum Team der Holz-Werkstatt vom Haus im Park. Er hat ein Jahr für sein Werk gebraucht, mehr als 1100 Arbeitsstunden. Zeit genug, das Gotteshaus in allen Details exakt nachzubauen, aus dem Holz einer alten Kiste und mit aufklappbarem Dach. So ist die herausnehmbare Kanzel dem Original zum Verwechseln ähnlich und die Orgel durch computergestützte Fototechnik exakt dem Maßstab angepasst. Selbst die Steine des historischen Fachwerks der Fassade entsprechen den Unregelmäßigkeiten des Originals.

"Ich wollte ein markantes Bergedorfer Gebäude nachbauen. Was gibt es da schöneres, als die Kirche St. Petri und Pauli? Hier wurde ich getauft und konfirmiert. Ebenso wie auch meine Frau Heike, die ich natürlich in St. Petri und Pauli geheiratet habe", sagt Herbert Holland.

Doch seit vergangenem November hat dieses positive Bild der Kirche einen tiefen Riss: Damals erfuhr der begeisterte Hobby-Tischler, dass sein Werk nicht in St. Petri und Pauli ausgestellt wird: "Natürlich hatte ich das Modell für die Kirche gebaut. Schon während der Entstehung haben wir von der Holz-Werkstatt deshalb engen Kontakt mit den Pastoren gehalten. Doch dann hat der Kirchenvorstand plötzlich abgelehnt. Ich war wie vor den Kopf gestoßen", erinnert sich Holland an die Begründung: "Es hieß, meine Kirche entspreche nicht den Ausstellungsrichtlinien des Kirchenvorstands."

Tatsächlich hat das Gremium aus Anlass seiner Schenkung erstmals eine klare Position bezogen. "Der Vorstand sieht sich in der Verpflichtung, die Kirche als historisches Gebäude erkennbar zu erhalten. Nehmen wir aber laufend neue Schenkungen an, und damit die Verpflichtung sie auch auszustellen, würde die Kirche laufend umgestaltet", erklärt Pastor Stefan Deutschmann.

Für Christoph von Have (42) ist der Vorgang dennoch unerklärlich: "Dieses Modell ist ein herausragendes Stück, das eigentlich niemand einfach so ablehnen sollte. Hier hätte sich der Kirchenvorstand die Mühe machen müssen, genau hinzuschauen."

Jetzt hat der Weinhändler die Gelegenheit ergriffen, stellt das Modell auf unbestimmte Zeit in seinem Schaufenster aus: "Ein ideales Objekt als Hingucker für Bergedorfs 850-Jahr-Feierlichkeiten." Am kommenden Donnerstag, 15. März, will Herbert Holland sein Modell mit allen Details sogar Interessierten in der Weinhandlung vorstellen. Beginn: 11 Uhr.

Ob es vielleicht doch noch einmal den Weg in die Kirche findet, zumindest für eine befristete Ausstellung, bleibt vorerst unklar. Herbert Holland mag sich das gegenwärtig nicht vorstellen. Und der Kirchenvorstand, so Pastor Deutschmann, "hat eine solche Variante bisher überhaupt nicht diskutiert".