Haushalt

Für öffentlichen Trinkraum fehlt in Bergedorf das Geld

Bergedorf. Die Idee, nach dem Vorbild der Stadt Kiel in Bergedorf einen Trinkraum für Menschen zu schaffen, die gern und regelmäßig in der Öffentlichkeit Alkohol trinken, ist offenbar vom Tisch. Es fehlt das Geld.

"In Zeiten der Haushaltskonsolidierungen hat der Bezirk keinerlei Mittel für neue Einrichtungen frei, und auch die Hamburger Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) hat abgewunken", berichtete Bergedorfs Sozialamtsleiterin Angelika Lange in dieser Woche dem Fachausschuss für Soziales, Gesundheit und Integration. Der hatte auf Antrag der Fraktion der Linken bereits vor Monaten einen Experten der Stadt Kiel als Referenten geladen, der das dortige Projekt präsentierte.

Der von etwa 50 regelmäßigen Gästen besuchte Kieler Trinkraum ist ein niedrigschwelliges Angebot ohne pädagogische oder therapeutische Flankierung mit dem Ziel, die öffentliche Trinker-Szene aus dem Straßenbild zu holen. In Bergedorf hat sich die Szene nach dem Alkoholverbot im Schlosspark und rund um das Lichtwarkhaus zum CCB-Fachmarktzentrum vor dem "Kaufland" verlagert.

Etwa 110 000 Euro jährliche Kosten verursacht der Kieler Trinkraum, für Bergedorf sind diese Mittel nicht aufzutreiben. "Zwar betreibt auch der Bezirk Harburg einen Trinkraum, finanziert diese Einrichtung aber aus der eigenen Kasse", so Angelika Lange.

Ein zweites Problem besteht in Bergedorf darin, einen geeigneten Kooperationspartner zu finden. "Die Soziale Beratungsstelle hätte Interesse, wenn die Einrichtung in ein pädagogisches Konzept eingebunden wäre und sich die Klientel überwiegend aus Wohnungslosen zusammensetzt", schildert Lange. Dies sei bei Bergedorfs Trinker-Szene aber nicht unbedingt der Fall.

Bergedorfs Sozialpolitiker nahmen die Neuigkeiten gelassen zur Kenntnis. Lediglich Lutz Jobs (Die Linke) forderte: "Wenn wir den Leuten keinen Treffpunkt anbieten können, dürfen wir sie auch nicht länger vertreiben."