Drei Bergedorfer Karrierefrauen

Was wir vom Internationalen Frauentag halten

Elke Timm (52), Inhaberin "Café Timm", Bergedorf: "Ich musste ja schon relativ früh Verantwortung übernehmen. Mit Mitte 20 habe ich das Unternehmen schon geführt. Damals musste man schon die Ärmel hochkrempeln, wenn man sich gegen die Männer durchsetzen wollte. Das ist heute besser.

Den Internationalen Frauentag finde ich schon angemessen, denn das Potenzial der Frauen wird heute immer noch nicht voll genutzt. Natürlich werden Frauen heute viel mehr akzeptiert als vor Jahren. In den Führungsetagen von Großunternehmen sind Frauen jedoch immer noch sehr selten anzutreffen. Meine Schwester ist Wirtschaftsprüferin, die ist als Frau in diesem Bereich schon ein echter Exot. Quotenregelungen finde ich allerdings nicht gut. Es muss ein Umdenken in der Gesellschaft erfolgen. Frauen müssen allerdings auch für sich klar definieren, was sie wollen in der Karriere. Man muss auch verzichten können."

Andrea Meyer (45), Filialdirektorin Hypovereinsbank Bergedorf: "Den Internationalen Frauentag sollte man auch in der Presse schon einige Tage vor dem 8. März thematisieren. Das macht man ja auch bei anderen Ehrentagen. Dann wird so ein Tag auch in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen.

Ich persönlich habe in meiner Karriere keine schlechten Erfahrungen gemacht, insofern dass mir Steine in den Weg gelegt wurden. Im Gegenteil. Aber ich finde schon, dass in den Unternehmen mehr dafür getan werden müsste, dass auch Frauen aufsteigen können. Ich denke da auch an Kinderbetreuung im Betrieb. Ich selbst habe eine heute 13-jährige Tochter. Beruf und Familie zu vereinbaren ist nicht immer einfach. Generell ist es so, dass Frauen in Führungspositionen immer noch selten sind. In der Hierarchie über mir im Unternehmen, ja selbst auf meiner Ebene sind Frauen immer noch eher die Ausnahme als die Regel."

Angela Braasch-Eggert, Dezernentin für Soziales, Jugend und Gesundheit im Bezirksamt Bergedorf (61): "Ich bin heute zum Internationalen Frauentag vom Senat ins Hamburger Rathaus eingeladen, und ich gehe auch hin. Nicht nur, weil dort das Internet-Frauenportal im Landeszentrum für politische Bildung vorgestellt wird. Sondern weil der jährliche Frauentag hilfreich ist, die Benachteiligungen von Frauen im Berufsleben in Erinnerung zu rufen.

Im öffentlichen Dienst werden Männer und Frauen für gleiche Arbeit gleich bezahlt; dennoch sind Frauen auch hier benachteiligt, weil sie viel seltener als Männer gut dotierte Positionen erklimmen. Ungerecht ist auch, dass Kinder stets der Mutter zugeordnet werden. Es gibt doch auch Väter in Deutschland. Meine eigene Berufslaufbahn war nur deswegen möglich, weil mein Ehemann seine Berufstätigkeit als Lehrer reduziert und sich um unsere drei Kinder gekümmert hat."