Öffentliches WC

Wer hier muss, der kann nur nebenan

Bergedorf. "Mama, ich muss mal." Das kleine Mädchen springt ungeduldig von einem Bein auf das andere. Nach Cola, Pommes und Eis bei McDonald's im Bergedorfer Bahnhof gilt es, jetzt schnell das stille Örtchen aufzusuchen. Doch Fehlanzeige.

Im Restaurant gibt es kein Klo. Die Gäste müssen die öffentliche Toilette im Bahnhofsgebäude, gegenüber der Rolltreppe zum ZOB nutzen.

"Das ist skandalös", schimpft Hans-Werner Schmidt (62) aus Bergedorf. "Es darf doch nicht wahr sein, dass so ein großer Konzern wie McDonald's an den Toiletten spart." Auch der 15-jährige McDonald's-Gast Richard Sapper aus Bergedorf versteht nicht, "warum die hier kein Klo haben. Das müsste doch selbstverständlich sein." Gerlinde Berger (53) aus Fünfhausen vermutet praktische Erwägungen: "Wenn es hier eine Toilette gäbe, dann würde die massenhaft von Bahnreisenden genutzt werden. Und McDonald's bliebe auf den Reinigungskosten sitzen." Für Uwe Groth (58) aus Marschacht ist das kein Argument. "Wer ein Restaurant betreibt, muss seinen Gästen auch eine Toilette anbieten. Basta."

Restaurantleiter Björn Flügel ist genervt. "Ich kann mir jeden Tag haufenweise die Beschwerden der Kunden anhören. Das Problem habe ich wohl unterschätzt. Ich dachte, hier hätte alles seine Richtigkeit, als ich das übernahm." Damit seine Gäste nach 22 Uhr - dann schließt die Bahnhofstoilette - noch aufs Örtchen können, überlässt Flügel ihnen gegen ein Pfand den Schlüssel zum dortigen Eingang.

Die Recherchen zum Thema gestalten sich schwierig. Beim Hamburger Gaststättenverband "Dehoga" heißt es zunächst, ab 50 Quadratmeter großem Schankraum brauche es zwingend Damen- und Herrentoilette. Dem widerspricht der Chef des Bergedorfer Verbraucherschutzamtes, Helmut Hoffmann. "Die Regelung wurde vor einigen Jahren dahingehend geändert, dass Betriebe, in denen kein Alkohol ausgeschenkt wird, auch keine Toiletten anbieten müssen." Im Falle des Bahnhofes sei er auch gar nicht zuständig, sondern das Eisenbahn-Bundesamt. Sabine Pilgrim von der Hamburger Handelskammer gibt Hoffmann recht und ergänzt: "Das Gesetz wurde damals geändert, um die Genehmigungsverfahren für kleine Betriebe zu entbürokratisieren."

Klein ist das McDonald's im Bahnhof, das sich über zwei Etagen erstreckt, nun aber nicht gerade. Und warum die Bahnhofstoilette auch noch früher schließt als das Restaurant (24 bzw. 4 Uhr), das möchte Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis nicht beantworten. Er sei nämlich - genau - nicht zuständig. Das sei die Firma "Heringbau", die die Toiletten im Bahnhof betreibt. Dort war gestern niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Auch die Pressestelle von McDonald's gab bis Redaktionsschluss keine Erklärung ab.