Fortbildung

Die Windenergie wird sein Beruf

Boberg (tv). Vitali Fürst hat seine berufliche Zukunft dem Wind verschrieben - und will hoch hinaus. Der 26-jährige Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik wird künftig in luftiger Höhe die technischen Anlagen von Windrädern reparieren und warten.

Dafür absolviert er am Harburger Elbcampus, dem Kompetenzzentrum der Hamburger Handwerkskammer, eine siebenmonatige Weiterbildung zum "Servicetechniker für Windenergieanlagen". Die Handwerkskammer bietet diesen Lehrgang für ausgebildete Handwerker in technischen Berufen an.

"Die Windenergiebranche hat Zukunft", sagt Fürst. "Daher habe ich mich für diese Sparte entschieden, nachdem ich vor einem Jahr arbeitslos wurde." Die Zahlen des Deutschen Windenergie-Instituts geben ihm recht. Danach gab es Ende 2011 in Deutschland 22 900 Windenergieanlagen, knapp 900 davon wurden allein im vergangenen Jahr neu installiert.

Vitali Fürst freut sich auf die Arbeit an der frischen Luft. Bevor er mit 14 weiteren Teilnehmern den Lehrgang beginnen durfte, musste er zunächst einen Höhentest auf einer 30 Meter hohen Windanlage bestehen. Fürst gelang es spielend, sich mit Hilfe eines Gurtes und zwei starken Karabinerhaken außen an dem Betonturm abzuseilen. "Normalerweise klettert man ja drinnen die Sprossen hoch", sagt er, "aber wenn die Anlage mal brennen sollte, muss man eben außen runter."

Als gelerntem Elektroniker fällt dem Boberger die Fortbildung im Elbcampus leicht: "Das meiste ist Elektronik, und das kenne ich ja schon. Da haben die Maschinen- und die Metallbauer in dem Kursus mehr zu lernen." In den Fächern Hydraulik und Mechanik aber erfuhr er viel Neues, und die praktische Aufgabe, das Getriebe einer Windenergieanlage komplett zu zerlegen und wieder zusammenzubauen, bedeutete schon eine Anforderung für ihn.

Wenn Vitali Fürst die Weiterbildung im Mai beendet hat, würde er am liebsten bei dem dänischen Hersteller und Dienstleister Vestas arbeiten. Sein Betriebspraktikum absolviert er aber erst einmal bei dem auf Rotorblatt-Instandsetzung spezialisierten Unternehmen WKA auf Fehmarn. "Auf jeden Fall kann man in der Branche gutes Geld verdienen", weiß er. Berufseinsteiger können mit 35 000 bis 45 000 Euro brutto im Jahr rechnen.

Wenig beeindruckt zeigt sich Fürst von Anwohner-Protesten gegen neue Windanlagen: "Energie wird gebraucht. Die Leute müssen sich überlegen, ob sie lieber neben einem Atomkraftwerk oder einem Windrad wohnen wollen."